Seite vorlesen

von arttv, 27.03.2026

Zeit in Aquarell

Zeit in Aquarell
Lina Maria Sommer in ihrer Ausstellung im Kunstraum Kreuzlingen. | © arttv.ch

Grossformatige Aquarelle verwandeln Zeit in Farbe: Adolf-Dietrich-Förderpreisträgerin Lina Maria Sommer stellt im Kunstraum Kreuzlingen aus. (Lesedauer: ca. 1 Minute)

Mit dem 21. Adolf-Dietrich-Förderpreis wird Lina Maria Sommer ausgezeichnet — und präsentiert im Kunstraum Kreuzlingen ihre Ausstellung «Summen». Die Arbeiten zeigen, wie ein scheinbar zartes Medium zu einem Instrument der Verdichtung werden kann: Monate, Stimmungen und Landschaften erscheinen als vibrierende Farbfelder, die weniger abbilden als erinnern.

Jetzt das ganze Video ansehen

Wenn Zeit sichtbar wird

Die Künstlerin Lina Maria Sommer arbeitet mit Aquarell — einem Medium, das traditionell mit Skizze, Flüchtigkeit und Intimität verbunden ist. In ihren grossformatigen Arbeiten jedoch verliert es jede dekorative Harmlosigkeit. Fliessende Gesten treffen auf streng gesetzte Raster, spontane Farbverläufe auf kontrollierte Kompositionen. So entstehen Bilder, die an Landschaften, atmosphärische Zustände oder topografische Karten erinnern, ohne eindeutig lesbar zu sein. Die Farbigkeit reagiert auf Licht, Jahreszeiten und Dauer — ein malerisches Tagebuch, das nicht erzählt, sondern sedimentiert. Monate werden zu Bildschichten, Bilder zu Diagrammen von Zeit.

Ein Förderpreis als Standortbestimmung

Der Adolf-Dietrich-Förderpreis gehört zu den bedeutenden Auszeichnungen für junge Kunst in der Ostschweiz. Seit 1984 wird er alle zwei Jahre von der Thurgauischen Kunstgesellschaft vergeben und verbindet eine finanzielle Unterstützung mit einer institutionellen Ausstellung — eine seltene Kombination, die Sichtbarkeit und Produktionsbedingungen zugleich stärkt.

Dass Sommer den Preis erhält, ist auch ein Signal für eine Generation, die weniger spektakuläre Gesten sucht als konzentrierte Prozesse. Ihre Arbeiten wirken leise, aber nicht zurückhaltend: Sie behaupten Raum durch Dauer, durch Wiederholung und durch die subtile Spannung zwischen Kontrolle und Kontrollverlust. In der stillen Architektur des Kunstraums Kreuzlingen entfalten sie eine Präsenz, die erst beim längeren Verweilen sichtbar wird — wie ein Klang, der sich erst entfaltet, wenn der Lärm verstummt.

Kommentare werden geladen...

Von arttv

Kommt vor in diesen Ressorts

  • Kunst

Kommt vor in diesen Interessen

  • arttv.ch
  • Bildende Künste

Werbung

«Kultur trifft Politik» #4

"Ohne Kultur keine Demokratie?" In der neuen Ausgabe des Dialogformats machen wir den Realitätscheck. Mittwoch, 25. November, Eisenwerk Frauenfeld. Weitere Informationen...

Ähnliche Beiträge

Kunst

Schwellenangst

Hörner, glitzernde Gesichter und geheimnisvolle Wächter: Im Shed des Eisenwerks führt Tim Hergersberg in eine Welt zwischen Mythologie, Fantasy und Spiritualität. mehr

Kunst

Reise zu den Reizen

Zeitgleich zu den Romanshorner Kulturtagen läuft eine neue Ausstellung im Kornhaus. 21 Ostschweizer Künstler überraschen darin noch bis 30. Oktober mit berührenden, rätselhaften und urkomischen Arbeiten. mehr

Kunst

Der Archivar von Terra Incognita

In einem ehemaligen Schönheitssalon entfaltet Herbert Kopainig seine Bilderwelt. Drei Ausstellungen in drei Monaten eröffnen unterschiedliche Blicke auf ein Lebenswerk, das weit über die Malerei hinausreicht. mehr

Werbung

Werbung

Werbung