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von Zora Debrunner, 25.05.2014

Traumfänger Bruno Bötschi

Traumfänger Bruno Bötschi
Gesetzt und gleichzeitig animiert: Bruno Bötschis Gestikulieren steht im Widerspruch zu seiner ruhigen Stimme. Vielleicht liegt hier sein Erfolgsgeheimnis verborgen? | © Sascha Erni

Zora Debrunner

Seltsames Gefühl, sich mit Bruno Bötschi zum Interview zu treffen. Schliesslich ist er nicht einfach „nur“ Journalist, sondern der Mann, der Prominenten in der Rubrik Traumfänger der „Schweizer Familie“ seit fünf Jahren überraschende Statements entlockt. In wenigen Tagen erscheint nun das gleichnamige Buch. Höchste Zeit, den Wahlzürcher in seiner alten Heimat zu sprechen.

Bruno Bötschi ist Ur-Frauenfelder, seine Eltern leben noch immer dort. Er ist dem Thurgau eng verbunden, hier hat er Leichtathletik betrieben und das KV besucht. Trotzdem liest sich seine Vita erfreulich un-thurgauisch. Er arbeitete für das Magazin „Salz & Pfeffer“ und war 2001 Mitbegründer von „Cigar“. Seit 2003 schreibt er für die „Schweizer Familie“.

Ich treffe Bötschi im "Schwanen" in Wellhausen. Kaffee und Mineralwasser stehen bereit. Er ist ein ruhiger und gleichzeitig sehr animierter Gesprächspartner, er unterstreicht seine wohlüberlegten Worte mit wilden Handgesten. Die Mischung fasziniert. Leute würden ihm bei allen möglichen Gelegenheiten Dinge erzählen, die auch er nicht erwartet hätte. Vielleicht sei er einfach die Sorte Mensch, mit der man sprechen möchte.

Bötschis Interviews scheinen auf den ersten Blick ganz einfach aufgebaut zu sein. Immer stellt er dieselbe Eingangsfrage: „Als Kind hat man viele Träume – woran erinnern Sie sich?“. Die Antworten der Interviewpartner sind aber oft überraschend, berührend und nicht selten sehr intim. Der Interviewer schafft es in seinen Gesprächen, eine Intensität herzustellen, die das Gegenüber dazu bringt, sich zu öffnen. Auch ich ertappe mich dabei, wie ich zu erzählen beginne. Ist es Bötschis journalistische Nase, im richtigen Moment passend zu reagieren? Oder ist es eine Typ-Frage?

Er befrage Menschen am liebsten von Angesicht zu Angesicht, erzählt Bötschi. Selten einmal entstehe ein Interview nur über das Telefon. Und auch wenn er das schon lange mache, wisse er nie im Voraus, ob ein Gespräch gelungen sei oder nicht. Das zeige sich oft erst beim Abtippen, Bötschi zeichnet die Interviews auf. Und es komme schon mal vor, dass ein Gespräch, das er eher langweilig gefunden habe, dann plötzlich seine Tiefe zeige. Und anders herum.

In Bruno Bötschis erstem Buch werden nicht nur die Interviews gesammelt, sondern auch die eindrücklichen Schwarzweiss-Fotografien der Interviewpartner. Bötschi sagt, dass die Fotos so besser zur Geltung kämen, da in Buchform Bildbeschnitte zurückhaltender eingesetzt werden könnten als in einem Magazin. Er ist sichtlich stolz auf sein Werk. Und ich kann nicht anders, als mich mit ihm zu freuen.

***

Bruno Bötschi: „Traumfänger“. Zürich, Applaus Verlag. Juni 2014.

Die Buchvernissage findet am 4. Juni ab 18.30 Uhr in der Photobastei in Zürich statt. Siehe unten angehängter Flyer.

www.brunoboetschi.ch

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