von Brigitta Hochuli, 08.04.2013
“Angriff der Dummheit gegen Kunst und Kultur”

Brigitta Hochuli
Die Kantonspolizei Thurgau veröffentlicht bei rechtsextremen „Schmierereien“ grundsätzlich weder Bilder noch Mitteilungen. Man wolle solchen Taten nicht noch Auftrieb verleihen, heisst es auf Anfrage in Frauenfeld. Ein Artikel in Tagblatt und Thurgauer Zeitung hat nun viele aufgeschreckt. Das Atelier des Thurgauer Steinbildhauers Peter Kamm im ehemaligen Saurerareal in Arbon sei mit Nazisymbolen bis in kleinste Teile besudelt worden, berichtet Marcel Elsener. Räume und Gegenstände seien mit Hakenkreuzen, Nazisprüchen und Hooligan-Slogans besprayt.
Noch im August 2012 war Peter Kamms Atelier zum zweiten Mal nach zehn Jahren von einem Brand verschont geblieben. Damals sprach er von „Glück“. Was jetzt passiert ist, macht Thurgauer Persönlichkeiten betroffen.
Stefan Keller, der 2001 ein Buch zur Geschichte der Saurerarbeiter („Die Zeit der Fabriken“) herausgegeben hatte, ist seit den Recherchen zum Buch mit Peter Kamm befreundet. Er bewundere seine Arbeit und hoffe, dass er schnell ein Atelier finde, in dem er weiterarbeiten könne. „Ich hoffe, dass ihn die Attacke dieser Idioten und Frevler nicht zu sehr zurückwirft und nicht zu sehr belastet. Ich hoffe, dass die Täter gefasst und bestraft werden. Es ist ein Angriff der Dummheit gegen Kunst und Kultur.“
Der Pfyner Künstler Alex Meszmer, ein politischer Kopf und im Zentralvorstand der visarte Schweiz zuständig für Kommunikation und internationale Beziehungen, kann zur Zerstörung von Peter Kamms Atelier nur sagen: „Ich bin absolut sprachlos und schockiert!“
Während die einen eine Stellungnahme für unnütz halten, geben andere auf Facebook ihrer Empörung Ausdruck. Ich selber verstehe diesen Blogbeitrag als Akt der Solidarität – Sie möglicherweise auch, liebe Leserinnen und Leser.
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Kommentare zu «“Angriff der Dummheit gegen Kunst und Kultur”»
Jürg Schoop | 09.04.2013, 23.27 Uhr
Der Kopf ist wohl zu klein um zu fassen,
dass solch unglaublich dumme Menschen frei herumlaufen!
H.R.Fricker | 09.04.2013, 23.49 Uhr
Was bleibt uns anderes, als weiterhin unsere Zeichen dagegen zu setzen.
Dr. Gonzo | 10.04.2013, 22.20 Uhr
Schöner Beitrag.
Joachim Schwitzler | 12.04.2013, 09.46 Uhr
Jeder, der etwas macht, hinterlässt Spuren. Bei einer Straftat ist die Frage dabei stets dieselbe: Gibt es ein ungeschränktes Interesse, die Spuren aufzuklären? Und haben wir im Augenblick die Mittel, einer unbedingt bejahten Aufklärungsabsicht Genüge zu tun und damit die Täter greifbar zu machen?
Interessant, wie eine Polizeibehörde im benachbarten Ausland mit NS-Symbolik umgeht. Interessant, was ihre Ermittlungen ergeben werden.
Dem Künstler Peter Kamm hilft das im Augenblick kaum weiter. Ich kann mir vorstellen, dass ihn dieser Übergriff bis ins Mark getroffen haben muss. Es ist, als ob man einem arglosen, lächelnden Menschen ins Gesicht schlagen würde.
Ebenfalls kann ich mir vorstellen, dass die Täter trotzdem gut schlafen können. Weil sie unsäglich arm sind: ohne Mitgefühl für ihre Umwelt (Empathie) und ohne jeden Respekt für die Arbeit anderer.
Ich wünsche dem Künstler die Kraft und die Freunde, an den ihm zugefügten Schmerz nicht zu zerbrechen, sondern stark zu bleiben.
Hans Jörg Höhener | 13.04.2013, 11.48 Uhr
Ja, diese Ungeheuer sind unter uns und ihr menschenverachtendes Handeln darf nicht unwidersprochen bleiben. Publizität sollen sie keine erhalten aber sie müssen strafrechtlich verfolgt werden. Staat und Gesellschaft haben diesen Übeltätern die Stirn zu bieten und Peter Kamm als Opfer beizustehen.

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