von Inka Grabowsky, 25.01.2015
Geglücktes Heimspiel

Der Kabarettist aus Güttingen legt die Latte für das Publikum im Kreuzlinger Theater an der Grenze hoch: „Das hier ist die Thurgauer Premiere. Von euren Lachern hängt es ab, was aus diesem Programm wird."
Inka Grabowsky
Die hundert Menschen im ausverkauften Haus lassen sich nicht lumpen. Das Gelächter kommt zuverlässig nach jeder Pointe - und wenn nicht, fordert der junge Preisträger der Oltener Sprungfeder eine Reaktion ein: „Hier hätte ich jetzt eigentlich ein ‚Jöh‘ erwartet.“
Er bekommt es bei seinem Heimspiel mit dem Programm „BurnOut“: Fast ein Viertel des Publikums streckt auf bei der Frage „Wer kennt mich persönlich“. Einige melden sich bei „Wer kennt mich von den Plakaten oder anderer Werbung?“ Und nur ganz wenige haben tatsächlich das Who-is-Who des Thurgaus gelesen.
Who-is-Who ist relativ
„Als ich das erste Mal aufgenommen wurde in die Liste der hundert prominentesten Thurgauer war ich mächtig stolz, aber meine Freunde haben mich schnell wieder auf den Boden der Tatsachen geholt: Sie fragten: wie viele Einwohner hat der Thurgau denn?“
Rutishauser gibt in seinem Programm den ewigen Verlierer, der nie das Mädchen bekommt, das er möchte, der von Freundinnen verlassen wird, und gegen den sich das Wetter und das Schicksal verschworen haben. Zu klein, zu schwach, nicht cool wie ein Gangster, nicht gerade der intelligente Held. Stattdessen sei er Blockflötenkind gewesen.
„Hättest Du mal die Blockflöte genommen!“
Seine Polemik gegen die musikalische Früherziehung gehört zu den Höhepunkten des Programms – auch wenn ihm hier in Kreuzlingen die Schau von einer Zuschauerin gestohlen wird. Als in der nächsten Nummer die Gitarre neu gestimmt werden muss, ruft sie dazwischen: „Hättest Du mal die Blockflöte genommen!“
In der Wohnzimmer-Atmosphäre des Theaters an der Grenze läuft Rutishauser zu Hochform auf. Er erzählt, singt, spielt, so dass man nicht mehr nachvollziehen kann, warum seine Mutter einst sein Diplom als Pantomime und den „Bachelor of Arts in Physical Theatre“ als gerahmte Zeitverschwendung abqualifizierte. In der bitterbösen Zugabe blitzt sogar Intellektuellen-Kabarett auf: Das halbe Semester British and American Studies an der Uni in Konstanz sorgt für Insider-Witze für Literaturkenner.
Es ist spannend, in welche Richtung sich der multioptionale Kleinkünstler in Zukunft entwickelt wird. Noch bekennt er sich zur sogenannten Westentaschen-Philosophie: „Egal, was du machst, mach es mit Leidenschaft“ ist sein Credo. Das hat er glaubwürdig vertreten.
***
Weitere Informationen:
Nächster Auftritt im Thurgau am 6. März in Aadorf.

Von Inka Grabowsky
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