von Michael Lünstroth・Redaktionsleiter, 07.11.2017
Sorgen in Romanshorn

Die Romanshorner haben das Budget der Stadt in der Gemeindeversammlung um 400 000 Franken gekürzt. Das trifft auch Kultureinrichtungen wie die Museumsgesellschaft. Sie will weiter dagegen kämpfen.
Es war ein langer Abend gestern in Romanshorn: Mehr als vier Stunden diskutierten Bürger mit dem Stadtrat über das Budget für die kommenden Jahre. Weil rund 2 Millionen Franken in der Stadtkasse fehlen, wollte der Stadtrat um Präsident David H. Bon unter anderem den Steuerfuss um 4 Prozentpunkte anheben. Das haben die Bürger abgelehnt und zusätzlich das vorgelegte Budget um 400 000 Franken gekürzt. Keine Mehr-Einnahmen und zusätzliche Kürzungen - das bedeutet auch irgendwo anders muss das Geld herkommen, um den Haushalt zu sanieren. Davon betroffen sind auch Kultureinrichtungen der Stadt. Zum Beispiel die Museumsgesellschaft, die das Museum am Hafen betreibt. Ab 2019 soll die städtische Unterstützung um 10 000 Franken im Jahr sinken. Statt 46 000 Franken sind dann nur noch 36 000 Franken vorgesehen.
Für Max Brunner, Präsident der Museumsgesellschaft, eine heikle Situation: "Für das Museum dürfte es schwierig werden, jedes Jahr zusätzlich 10 000 Franken durch Eigenleistung aufzubringen. Wir hoffen, dass künftig nicht dort gespart wird, wo am meisten Freiwilligenarbeit geleistet wird", schreibt er auf Nachfrage von thurgaukultur.ch. Bislang ging das städtische Geld auch nicht direkt an die Museumsgesellschaft, die 46 000 Franken wurden für Miete und Nebenkosten in der alten Lagerhalle am Hafen verwendet. Künftig soll die Museumsgesellschaft einen Teil dieser Kosten (10 000 Franken) selbst übernehmen.
Das Museum will weitere Gespräche mit der Stadt
Max Brunner will das noch nicht als endgültig akzeptieren: "Für das Museum ist die Angelegenheit noch nicht ausgestanden. Wir haben eine Vernehmlassung eingereicht und werden mit der Stadt ein Gespräch führen, um unsere Position nochmals darzulegen", so Brunner in seiner Reaktion. Das Gebäude am Hafen gehört nicht der Stadt, es ist in privater Hand. 2007 hatte die Stadt einen Mietvertrag mit dem Eigentümer abgeschlossen.
Beim Kino "Roxy" hingegen herrscht leichtes Aufatmen nach den Beratungen. "Unmittelbar ist das Roxy nicht betroffen vom Entscheid", schreibt Vreni Schawalder, Präsidentin des Vereins Feines Kino, auf Nachfrage. Eine Reaktion seitens des Stadt Romanshorn zu den Einsparungen im Bereich der Kultur ist angefragt, bislang aber noch nicht eingetroffen. Wir aktualisieren den Artikel sobald sie da ist.
Die grössten Sparmassnahmen treffen allerdings andere Projekte der Stadt: Vor allem beim Unterhalt der Gemeindestrassen, weiteren Verkehrsprojekten und im Bereich der Stadtentwicklung haben die Bürger Einsparungen gefordert.
Artikel, die zum Thema passen:
Ein Porträt des Museums am Hafen lesen Sie hier: http://www.thurgaukultur.ch/magazin/3175/
Was tun, wenn man das Ganze im Blick haben muss und nicht nur einzelne Partikularinteresse? Eine Kolumne zum Wert des Sparens in angespannten Zeit gibt es hier: http://www.thurgaukultur.ch/magazin/3290/

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