von arttv, 18.04.2025
Kunst und «Trans»-formation

Lucca Süss überführt heteronormativ geprägte Objekte in eine neue Form. arttv.ch mit einem Videoporträt. (Lesedauer: ca. 1 Minute)
In Lucca Süss’ Praxis steht die Auseinandersetzung mit der systemischen Marginalisierung queerer Individuen im Mittelpunkt. Dabei dient die Materialisierung von Transition sowohl als ästhetisches als auch als konzeptionelles Werkzeug. Der Prozess der Aneignung und Transformation von Objekten ist in Süss’ Arbeit zugleich ein Akt der Ermächtigung und des Widerstands.
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Transness als gelebte Erfahrung
Indem Objekte in einen queeren Kontext überführt werden, wird ihre ursprüngliche Konnotation aufgebrochen und neu belebt. Die neu entstandenen Skulpturen tragen die Spuren verschiedener Zeiten und Orte in sich, von der domestizierten «nuclear Family» bis hin zu den dynamischen Bezügen der zeitgenössischen queeren Popkultur und Mode. So wird ihre Materialität zu einem lebendigen Dokument vergänglicher Momente. Im Zentrum dieser Arbeiten steht die Destabilisierung starrer Strukturen – sei es in Materialien, Körpern oder kulturellen Erzählungen. Transness, als gelebte Erfahrung und als konzeptionelle Kraft, erschüttert die Grundlagen traditioneller Identitätspolitik.
Monströsitäten
Die Ablehnung und der Widerstand, die dies hervorruft, sind bezeichnend: Wie die Theoretikerin Susan Stryker beschreibt, werden trans Menschen oft als «unnatürliche Monstrosität» betrachtet – eine Projektion kultureller Ängste vor Geschlechterfluidität. Süss’ Skulpturen greifen diese Vorstellung auf und verwandeln sie in eine bewusste Aneignung: Die «Monströsität» wird nicht als Bedrohung verstanden, sondern als etwas Wünschenswertes, das von Transpersonen zurückgefordert und neu definiert wird.
Der sich wandelnde «monströse» Körper ist nicht nur eine Metapher in Süss’ Arbeit, sondern manifestiert sich auch im Verhalten der Materialien: Sie werden zerbrochen, demontiert, zersägt, verschweisst, umgestaltet und verschmolzen. Diese Verwandlung spiegelt die Erfahrung eines Körpers wider, der sich festen Kategorisierungen entzieht, sich zwischen verschiedenen Zuständen bewegt und sich nicht auf eine Form festlegen lässt – ein Körper in Transition. Wie die Materialität dieser Skulpturen ist auch Geschlecht keine statische Einheit, sondern ein Prozess, eine Verhandlung, ein fortlaufender Akt des Werdens. Die Skulpturen widersetzen sich in ihrer Materialität der Vorstellung einer einzigen, abgeschlossenen Identität.
Ausstellungen von Lucca Süss
21. März 2025 | Kali Gallery, Luzern | Solo Show mit Werken aus der Serie «E-xalting grove thriving for the days ahead» sowie Performance «the Hulks Garden»
27. März 2025 | Baby Angel, Zürich | Performance «the Hulks Garden»
16. Mai 2025 | mikro, Zürich | Solo Show «E-xalting grove thriving for the days ahead»
Mai, 2026 | Villa Renata, Basel | Solo Show
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