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11.09.2016

Effort für berühmten Dirigenten

Effort für berühmten Dirigenten
Die Kirche ist regelmässig Aufführungsort der Stiftung für Konzerte in der Klosterkirche Münsterlingen. | © tgk

Am Mittwoch, 14. September, 20 Uhr, ist der weltberühmte Dirigent Philippe Herreweghe mit dem Collegium Vocale Gent in der Klosterkirche Münsterlingen zu Gast. Ein aussergewöhnliches Ereignis, das einen aussergewöhnlichen Effort verlangt und aus dem Lotteriefonds des Kantons Thurgau mit 10'000 Franken unterstützt wird.

Zentrales Bach-Werk

Auf dem Programm des Konzertes steht die h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach. Sie ist eines der zentralen Werke seines Schaffens und gilt bis heute als ein Meilenstein der Musikgeschichte. Das Collegium Vocale Gent und sein Dirigent Philippe Herreweghe sind weltbekannt für ihre Werkinterpretationen, die sich durch Detailverliebtheit und adäquate Lesart der Standardwerke auszeichnen. Bei der Aufführung in der Klosterkirche Münsterlingen treten die beiden Sopranistinnen Hannah Morrison und Margot Oitzinger, der Countertenor Alex Potter, der Tenor Thomas Hobbs sowie der Bass Peter Kooij als Solisten auf.

„Einmal im Leben"

Die Aufführung erfordert von der organisierenden Stiftung für Konzerte in der Klosterkirche Münsterlingen einen aussergewöhnlichen Effort. Noch nie sei die Organisation eines Konzertes so aufwendig gewesen, sagt der Thurgauer Jürg Hochuli, Inhaber der HochuliKonzert AG in Gais. Die kleine Barockkirche habe nicht die Infrastruktur eines Opernhauses. „Jedes kleinste Detail von den Chorpodesten über die Orchesterstühle bis zur Beleuchtung hin muss hergebracht, installiert und nachher wieder abgebaut werden."

Jürg Hochuli hat dazu 16 Helfer und Helferinnen engagiert. Nach dem Konzert übernachten die Musikerinnen und Musiker in Hotels in Romanshorn und Güttingen. Am Vorabend konzertieren sie in Bochum, am Folgetag in Innsbruck. Der logistische Aufwand sei gross, der finanzielle ebenso. „Man macht das gewöhnlich einmal im Leben." Zu den Kosten will Hochuli keine Auskunft geben. Gönnerinnen und Sponsoren seien aber hochwillkommen. Und der Kanton Thurgau unterstütze das Konzert mit einem grosszügigen Beitrag.

Zusammenarbeit seit 1996

Für den Konzertorganisator ist die Zusammenarbeit mit Philippe Herreweghe aber nicht neu. „Seit 1996 ist er jedes Jahr in unserer Reihe in der Tonhalle Zürich zu Gast. 2017 dann am Karsamstag mit der Matthäus-Passion." Der Belgier gehöre seit Jahrzehnten zu den führenden Figuren der sogenannt historischen Aufführungspraxis. Herreweghe sei schon früh mit Aufnahmen des von ihm gegründeten Collegium Vocale Gent in Erscheinung getreten, das sich seit seinen Anfängen an der Spitze internationaler Vokalensembles behaupte.

Auch wenn es im Thurgau keinen Run für so ein Konzert gebe und das Publikum eher vom Jura über Konstanz bis Chur nach Münsterlingen reise, sei es praktisch ausverkauft. Wenige Restkarten würden noch an der Abendkasse zu haben sein. (bhi)

 

Philippe Herreweghe

Philippe Herreweghe ist 1947 in Gent (Belgien) geboren und gehört inzwischen zu den wichtigen Protagonisten der historischen Aufführungspraxis. 1970 gründete er und leitet seitdem das Collegium Vocale Gent, das sich sowohl mit vorbarocker Musik beschäftigte als auch wegweisende Einspielungen der Kantaten von Johann Sebastian Bach vorlegte. Dem Chor wurde 1989 ein auf Originalinstrumenten spielendes Ensemble zur Seite gestellt.

 

Herreweghe ist auch Leiter des in Paris beheimateten „Orchestre des Champs Elysées". Seit 1999 ist er erster Dirigent der „Königlichen Philharmonie von Flandern" mit Sitz in Antwerpen. 1982 übernahm er die künstlerische Leitung des Festivals für Alte Musik in Saintes. 2010 erfolgte die Gründung des eigenen CD-Labels „phi". Die erste Aufnahme galt Gustav Mahlers 4. Sinfonie. (wikipedia/Bild: Michiel Hendryckx)

 

 

 

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