von Zora Debrunner, 23.06.2013
Handarbeit am „Rock on the Top“

Freitag und Samstag fand zum zehnten Mal das „Rock on the Top“-Openair beim „Stelzenhof“ auf dem Ottenberg statt. Ein Eindruck vom Samstag mit den drei Bands pURe, Stämpf und The Duschvorhang.
Zora Debrunner
Openairs gibt es im Sommer wie Sand am Meer. Doch keines, das ich bisher besuchte, hatte den Charme des „Rock on the Top“ oberhalb Weinfeldens. Dieses kleine, aber sehr feine Openair fand auch dieses Jahr beim Restaurant Stelzenhof statt. Man hat von hier aus eine wunderbare Sicht auf Thurtal und Alpen.
Mehr Gartenfest als klassisches Openair
Verschiedene Bars bieten Drinks und Speisen an. Die Stimmung ist locker, um nicht zu sagen gesellig. In den ersten Stunden finden sich viele Familien mit Kindern ein, erste Rocker mischen sich unter die älteren Herrschaften. Man unterhält sich, trinkt Bier oder Prosecco. Die Kinder tollen herum. Ein traumhafter Sommerabend, mehr Gartenfest als klassisches Openair.
„pUre“ Spielfreude
pURe treten auf – eine Akustikband, die neben eigenen Songs mit Covern von den 80ern bis heute brilliert. Die Band stammt aus der Umgebung von Frauenfeld und überzeugt durch überaus solide Handarbeit und Musikalität – und besonders auch durch die Spielfreude, ganz egal welches Instrument die drei Musiker gerade in Händen halten. Das Publikum lässt das erste Mal von Bratwurst und Tröpfel-Glas ab, um mitzutanzen.
Stämpf mischt und kocht auf
Später am Abend betritt Stämpf die Bühne. Fans der TV-Show „Kampf der Chöre“ dürfte der Bündner noch bestens in Erinnerung sein. Mit seiner Band mischt er die Menge auf. Seine eigenen Songs kommen an, die wenigen Coverversionen gehen im Vergleich unter. Stämpf zeigt sich als Alleinunterhalter, wenn er das Publikum mit frechen Sprüchen zum lachen bringt, um ihm dann anschliessend ordentlich was auf die Ohren zu geben. Spätestens beim Kracher „New Dimes Always Shine“ wacht auch der letzte Rocker auf. Die Menge kocht.
Ohne Label mit Crowdfunding
Stämpf hat vor einigen Monaten sein Indie-Plattenprojekt gestartet: Aufnahme, Produktion und Promotion finanziert die Band durch Crowdfunding, ohne Musiklabel im Rücken. Von den Fans, für die Fans, wie Stämpf später im Gespräch sagt. Geht die Rechnung auf? Ja, sagt Stämpf, auch wenn die Radiostationen Gitarrenmusik ignorierten. Aber darum gehe es nur am Rande. Wichtiger sei es, etwas zu TUN. Nicht, sich auf Bühne und in den Medien feiern zu lassen, sondern direkt mit den Fans zu kommunizieren.
Lieber echt als perfekt
Das Wort „Analog“ fällt oft: Handarbeit anstelle des digitalen Zusammenkopierens von gelungenen Bruchstücken. Lieber einen schrägen, dafür echten, Ton drin lassen statt perfekte Einöde zu schaffen. Und, wie er betont, lieber eine positive Nachricht übermitteln als das im Genre so übliche Tod-und-Zerstörung zelebrieren.
The Duschvorhang-Party
Während des Gesprächs legt die dritte Band des Abends, The Duschvorhang, los. Seit nun mehr zwei Jahrzehnten spielen die Thurgauer um Andy Eugster ihren Rock'n'Roll, geradlinig und ohne Berührungsängste. Als einer der Organisatoren des „Rock on the Top“ weiss Eugster genau, was zu später Stunde erwartet wird: Party, und das nicht zu knapp.
Zufrieden und mit surrenden Ohren verabschiede ich mich vor dem Schlusspunkt des Openairs. Ich bin eine der wenigen, die so früh geht. Die Party wird noch lange weitergehen. Hemdsärmlig, familiär, und: durch und durch handgemacht.

Von Zora Debrunner
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