von Michael Lünstroth・Redaktionsleiter, 28.11.2018
Ein Roman, 20 Autoren

Schülerinnen und Schüler aus Arbon haben gemeinsam mit der Schriftstellerin Andrea Gerster einen Roman geschrieben. Am Freitag stellen sie ihn bei einer Lesung im Schloss Arbon vor.
Ein Roman hat in der Regel einen Autoren, in seltenen Fällen vielleicht auch mal zwei. Ein aussergewöhnliches Kulturvermittlungsprojekt sprengt jetzt diese Grenzen: Der Roman „Exchange Year“ kann ganze 20 Autorinnen und Autoren vorweisen. Die im Thurgau lebende Schriftstellerin Andrea Gerster hat ihn gemeinsam mit 19 Schülerinnen und Schülern einer zweiten Oberstufen-Klasse des Stacherholz-Schulhauses in Arbon geschrieben. „In insgesamt acht Workshops haben wir gemeinsam eine Idee entwickelt, verschiedene Schreibimpulse umgesetzt und letztlich in 19 Kapiteln die Geschichte entstehen lassen“, erklärt Gerster im Gespräch mit thurgaukultur.ch
Erzählt wird in dem Roman die Geschichte der reichen Luisa und des armen Leon und ihrem Austauschjahr in Florida. „‚Exchange Year‘ ist lustig, aber auch tragisch. Es kommt Liebe vor, aber auch Hass. Und es hat einen überraschenden Schluss, der hier natürlich nicht verraten wird“, gibt Andrea Gerster einen Einblick in die Handlung. Gemeinsam stellen Schriftstellerin und Schüler ihr Werk am Freitag, 30.November, 18 Uhr, im Landenbergsaal im Schloss Arbon vor.
Das Projekt will die Jugendlichen stärken
Der Roman ist Teil des grösseren Projektes „Schulhausroman“. Es wurde 2005 vom Schweizer Autor Richard Reich gemeinsam mit der Germanistin und Lektorin Gerda Wurzenberger initiiert. Die Grundideee des Schulromans besteht darin, „dass Autor/innen im Rahmen einer festgelegten Anzahl von Klassenbesuchen gemeinsam mit Schüler/innen einen fiktionalen Text schreiben - von den ersten Ideen bis zum quasi druckfertigen Manuskript“, heisst es auf der Internetseite des Projektes zu den Hintergründen. Die Besonderheit des Projektes ist auch, dass es in Klassen der unteren Leistungskategorien der Sekundarstufe I stattfindet. Das pädagogische Ziel dahinter: „Durch das Mitgestaltung eines längeren Erzähltextes wird ihr Selbstbewusstsein im sprachlichen Ausdruck gestärkt“, erklären die Initiatoren. Diese Konstellation hat auch Andrea Gerster als wertvoll empfunden: „Die meist nicht schreib- und leseaffinen Jugendlichen erfahren dabei, dass es ihnen möglich ist, eine Geschichte zu schreiben und sie auch innerhalb einer Lesung zu präsentieren.“
Neben Arbon, sind in den vergangenen Monaten auch Schulhausromane in Bazenheid und Herisau entstanden. Auch dort waren lokale Oberstufen-Klassen am Werk, betreut von Schreibprofis, welche einen direkten Bezug zum Schauplatz haben: nämlich der Toggenburger Peter Weber und Dorothee Elmiger, die selber in Herisau zur Schule ging. Nach Angaben der Schulhausroman-Initiatoren haben seit 2005 in der Schweiz, Österreich und Deutschland rund 100 Schreibcoaches mit mehreren 1000 Schülern und Schülerinnen mehr als 200 Schulhausromane erarbeitet. Eine Übersicht zu den verschiedenen Projekten gibt es auf der Internetseite www.schulhausroman.ch
Termin: Die Lesung findet statt am Freitag, 30.November, 18 Uhr, Landenbergsaal, Schloss Arbon. Eintritt frei.
Die Cover der entstandenen Romane


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