von Kathrin Reimann, 06.07.2026
Zwischen Chaos und Hoffnung

Mit «Gunni – Scheitern in 6 Teilen» hat die im Thurgau aufgewachsene Lara Stoll ein Buch geschrieben, das von Seite Eins an mitreisst. Ursprünglich als Drehbuch für eine sechsteilige Fernsehserie konzipiert, liest sich die Geschichte genauso filmisch, wie sie gedacht war.
Im Zentrum steht Gunni – chaotisch, impulsiv und liebenswert. Sie kämpft mit Panikattacken, einer gescheiterten Beziehung, beruflichen Herausforderungen und der verzweifelten Suche nach einer bezahlbaren Wohnung in Zürich. Zeitweise schläft sie deshalb im Bandraum oder an ihrem Arbeitsplatz beim Radio. Lara Stoll zeichnet damit ein treffendes Bild vom Leben in der Grossstadt: voller Möglichkeiten, aber ebenso voller Unsicherheiten und ständigem Druck.
Der eigentliche Motor der Geschichte ist Gunnis Grossmutter. Sie liegt im Sterben, und Gunni möchte ihr unbedingt noch einen letzten Wunsch erfüllen: Sie soll ihre Enkelin endlich mit ihrer Band auf einer Bühne erleben. Dieser Wunsch treibt Gunni an – manchmal allerdings so sehr, dass sie den Fokus verliert und von einem Chaos ins nächste stolpert. Genau das macht ihre Figur so authentisch. Man fragt sich beim Lesen ständig: Schafft sie es diesmal? Was richtet sie als Nächstes an? Und in welches Fettnäpfchen tritt sie heute wieder?
Vielfalt an Themen
Thematisch spannt Stoll einen immensen Bogen: Psychische Erkrankungen, Beziehungen, Freundschaft, Familie, Wohnungsnot, Musik, Krankheit, Sucht, Medien, Arbeit, Liebe und Abschied – all diese Themen finden ihren Platz, ohne dass sie die Geschichte überladen.
Im Gegenteil: Sie greifen ineinander und erzählen vom Chaos des modernen Lebens in der Grosstadt. Dabei gelingt es Stoll, Ernstes mit Witz und Tempo zu verbinden. Man lacht über Gunnis absurde Situationen – etwa wenn ausgerechnet sie, die panische Angst vor Telefonaten hat, eine Live-Coaching-Sendung beim Radio konzipiert und moderiert.
Dialoge in Schweizerdeutsch
Auch formal geht «Gunni» eigene Wege. Das Buch wurde ursprünglich als Drehbuch verfasst, mit kurzen Szenen und Dialogen auf Schweizerdeutsch. Dadurch entwickelt die Geschichte einen rasanten Rhythmus. Man hat das Gefühl, nicht zu lesen, sondern einer Serie zuzusehen oder sogar Teil von ihr zu sein.
Und genau deshalb bleibt am Ende ein Gedanke hängen: Schade, dass dieses Drehbuch nie verfilmt wurde. «Gunni» hätte alles, was eine Schweizer Serie braucht – eine eigenwillige Heldin, scharfe Beobachtungen, viel Humor und Herz und die Vorfreude auf die nächste Ausstrahlung.
Das Buch und die erste Lesung
«Gunni» eine unverfilmte Dramödie, ist am 2. Juli 2026 beim Echtzeit Verlag erschienen. Die Bilder stammen von der Künstlerin Mahtola Wittmer. Die Buchvernissage findet am Dienstag, 7. Juli ab 19 Uhr im Helsinki in Zürich statt.

Von Kathrin Reimann
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