von Inka Grabowsky, 17.06.2016
Ein Paradies mitten in Märstetten

Der historische Verein des Kantons Thurgau beendete seinen diesjährigen Besichtigungszyklus im Barockgarten von Jürg Trippel in Märstetten. Die Mitglieder und thurgaukultur genossen den Einblick in diesen verwunschenen privaten Park.
Text und Bilder: Inka Grabowsky
Zu einem gewissen Teil ist der 3000 Quadratmeter grosse Garten nicht historisch korrekt. So wie er heute aussieht, hat er nie bestanden. Jürg Trippel hat ihn in rund zwanzigjähriger Arbeit angelegt, damit er zu seinem Wohnhaus passt - und weil er den Barockstil einfach mag. „Ich hatte viel Spass daran, allein schon die Pläne auszuarbeiten“, sagt er.
Eine Sichtachse über den Springbrunnen zur Statue
Bei der Architektur hat sich der inzwischen pensionierte Pädagoge jedoch genau an historische Vorgaben gehalten. Insofern können die Mitglieder des historischen Vereins hier einiges lernen. „Vorläufer des Barockgartens ist der Renaissancegarten“, erklärt er. „Beide legen grossen Wert auf Sichtachsen, doch in der Renaissance bezog man sich stark auf die Antike. Die Figuren, die in den Gärten standen, waren nicht blosse Dekoration, sondern wurden sehr ernst genommen.“ Ausserdem sei man später im Barock grosszügiger mit den Räumen umgegangen. Die Wege seien breiter, die Flächen grösser.
Im Barock gehen die Menschen davon aus, dass sie über die Kunst die Natur vervollkommnen können. Typisch dafür sind gestutzte Bäume und Hecken oder auch die Blumenbeete, die aus der Beletage betrachtet komplexe Ornamente bilden. In Märstetten sind diese „Parterres“ statt mit dem üblichen Buchsbaum mit Eibe eingefasst - der Buchs war von Krebs befallen und musste mühsam ersetzt werden.
Hier entsteht das neue Labyrinth.
„So ein Garten ist nie fertig“, sagt Trippel. Als nächstes warten 400 Eiben darauf, im neuen Labyrinth eingepflanzt zu werden. „200 Meter lang ist der Weg“, so der Hobbygärtner. „Man soll sich darin nicht verirren, sondern lustwandeln.“
Alles in einem Barockgarten ist Symbol. Auch die moderne Variante in Märstätten macht dabei keine Ausnahme. Gleich am Haus erinnert ein kleiner Springbrunnen an den Quell des Lebens, die Geburt.
Der Blick zum Bassin und zum „Tempel“
Von dort leitet die Sichtachse den Blick zur Statue von Eva, die mit einem Apfel im Schoss das pralle Leben darstellt. Nun führt der Weg über eine kleine Treppe auf eine tiefere Ebene. An deren Ende liegt ein Wasserbassin und dahinter der „Tempel“, der Ort, an dem Jürg Trippel seinen verstorbenen Verwandten gedenkt. Trotz dieser formalen Strenge hat der Barock-Fan seinen Garten pragmatisch angelegt. „Auf den Rasenflächen sollen meine Enkel Fussball spielen können“, sagt er. „Mein Wasserbassin ist gleichzeitig ein Schwimmteich, und die Eremitage ist ein altes Gartenhäuschen.“
Jürg Trippel (mit buntem Schirm) erklärt sein Werk. Näher ins Bild gerückt werden wollte er nicht.

Von Inka Grabowsky
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