von Christian Brühwiler, 20.09.2013
Clair de Lune

Christian Brühwiler
Pierre Favre, Perkussion und Michael Zisman, Bandoneon trafen sich nach den Akkordeontagen vom letzten Jahr zum zweiten Mal zum musikalischen Dialog. Die Veranstalterin Susanne Gisin lud zur Vollmondfahrt auf die Solarfähre, ein aussergewöhnlicher Ort, ebenso futuristisch wie intim.
Die Musik schien über weite Strecken nur skizziert. Favre, der Altmeister der freien Improvisation, eröffnete häufig die Dialoge mit einer Spielidee, die von charakteristischen Mustern und Klängen geprägt war. Zisman seinerseits erwies sich als offener, suchender und origineller Gesprächspartner, der die naheliegendsten, aber auch abgenutztesten harmonischen und melodischen bandoneonistischen Wendungen nur sehr sparsam anspielte.
Das unglaublich sanfte Dahingleiten der Solarfähre, die vorbeiziehenden Lichter und das manchmal hörbare sanfte Klatschen des Wassers passten genau zum Fluss der Musik und der Ideen, die ganz ähnlich vor sich hinplätscherten. In diesem Fluss kristallisierten sich immer wieder überraschende Momente heraus, Wendungen und Verdichtungen, die in ihrer Schönheit und Kraft berührten. Das vage und unbestimmte, offene, das ja seltsamerweise auch vielen Konzerten mit improvisierter Musik vollkommen abgeht, wurde vom Halbdunkel der Szenerie unterstützt und verstärkt. Da die Solarfähre nur spärlich beleuchtet war, traten die Musiker als Akteure in den Hintergrund, es stellte sich eine Balance zwischen Innen- und Aussenwelt ein, und die Musik schien sich in diese Atmosphäre einfügen zu wollen.
Für einen kurzen Moment zeigte sich sogar der Vollmond, der den Untersee mit silbernem Glanz überzog. Hätte er immer geleuchtet, es wäre ein ganz anderes Konzert geworden.
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