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von Alex Bänninger, 15.07.2009

«Vorbildliche Inszenierung»

«Vorbildliche Inszenierung»

Alex Bänninger

Die Journalistin schwankt unschlüssig hin und her zwischen einem Premierenbericht und einer Rezension, bei der die meteorologischen Umstände und die technischen Minipannen des ersten Abends keine Rolle spielen dürften. Wenn schon nur ein Premierenbericht, dann wäre der Hinweis auf die erfreulich vollen Ränge genau so angebracht gewesen wie auf die anwesende Prominenz aus Politik, Kultur und Wirtschaft, den häufigen Szenenapplaus eines mitgerissenen Publikums und den überaus warmen und langen Beifall am Schluss.

Besondere Meriten haben sich Produzent Leopold Huber und Regisseur Jean Grädel auch deshalb erworben, weil sie sich vom populistisch verzerrten „Weissen Rössl" lösten und zurückgriffen auf die nuancenreiche Originalversion von 1930. Davon steht im Artikel nichts. Ein Titel wie „Schnulzen mit Schmiss" und Qualifizierungen wie „Nicht perfekt, aber ungeheuer charmant", „flotte Regie" und „sängerisch aus der Affäre" gezogen reduzieren die Aufführung auf einen einigermassen gelungenen Schwank.

Diese Einschätzung verkennt die hohe Schule, ein tausendfach missbrauchtes Singspiel in seinem Glanz zu entdecken und gleichzeitig die leichte Muse virtuos zu ironisieren: also nichts schwerer zu nehmen als es bereits Ralph Benatzky und seine Mitautoren getan haben. Das verrät starke Professionalität.

Ich empfinde den Bericht als herablassend. Ein komödiantisches Spiel mit anrührendem Wohlklang ist nun mal keine den Geist aufwühlende Tragödie. Die abendländische Kultur besteht nicht allein aus imposanten Säulen, sondern auch aus schön gelungenen Dekorationen. Dem Entscheid, mit singenden Schauspielern zu arbeiten, gebührt Respekt, der den Vergleich mit Opernsängern ausschliessen sollte. Ein Trio klingt nicht wie ein Symphonieorchester. Die Frage kann darum nur sein, ob die drei Musiker Bestes boten oder stümperten. Sie waren hervorragend.

Für Peter Alexanders „Weisses Rössl" wurde an Geld, Technik, Musik und Stimmen alles aufgeboten, was erstens denkbar und zweitens notwendig ist, um ein freches, witziges, leicht gewolltes Stück mit Bombast zu verfilmen und damit zu erschlagen.

Dagegen setzt das See-Burgtheater eine vorbildliche Inszenierung, die das kleine Budget, das kleine Ensemble und die kleine Bühne nicht als Defizite erscheinen lässt, sondern als Bedingung, um dem Werk in seiner Heiterkeit und Vergnüglichkeit gerecht zu werden. Dass das See-Burgtheater generösere Förderung verdient, ist ein anderes Kapitel.

Artikel im Magazin:

«Weg von Wohlklang und Ausstattung»

«Komödie - entstaubt»

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