von Zora Debrunner, 22.04.2012
Unter Freunden – 20 Jahre Sommeratelier Weinfelden

Zora Debrunner
Eigentlich hätte es am Samstagnachmittag in Weinfelden regnen sollen. Stattdessen leuchtete über dem Dorf am Ottenberg die Sonne im strahlendblauen Himmel. Das war gut so, denn schliesslich kamen kunstbegeisterte Thurgauerinnen und Thurgauer vor der Remise zusammen, um gemeinsam 20 Jahre Sommeratelier zu feiern.
Brigitte Näpflin heisst die zahlreichen Gäste, nein: Freunde willkommen. Jeder kennt hier jeden und die Erinnerungen an 20 Jahre Kunst im ehemaligen Spezereienlager verbindet. Dass dieser Ort hier kein elitärer Platz für überhebliche Art ist, spürt man sofort. Das Publikum ist leger gekleidet und durch alle Altersklassen durchmischt.
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Max Vögeli, der Gemeindeammann von Weinfelden, hält ebenfalls eine Rede und schildert in kurzen, amüsanten Worten die Geschichte dieses Kunstréduits, das dank des Engagements vieler Kulturfreunde und der Mitglieder der damaligen Kulturkommission eröffnet werden konnte. Er erinnert daran, dass das Land Kultur braucht.
Ich gebe ihm Recht. Dass die Gemeinde Weinfelden die Remise und das „Haus zum Komitee“ 1988 gekauft und renoviert hat, ist ein Glücksfall für die ganze Region. 1992 fand bereits das erste Sommeratelier statt. 26 Künstler in 20 Jahren haben hier gearbeitet.
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Das musikalische Intermezzo findet im Inneren des Gebäudes statt und wird vom Toypiano-Duo Simone Keller/Philip Bartels gestaltet. Es kommt für mich unerwartet witzig und leicht daher. Die Melodien klingen heiter, sind aber sehr barock, obwohl sie auf Kinderinstrumenten gespielt werden. Dass die beiden Musiker sehr unbequem da sitzen müssen, weil sie die Instrumente auf dem Boden spielen, schmerzt mich schon beim Zusehen.
Gianni Kuhn und Hans Gysi lesen aus ihren Texten vor. Man kommt sich vor wie auf einer Reise in die Vergangenheit. Manch einer der Gäste strahlt, grinst oder schliesst die Augen.
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In jedem der Räume auf drei Stockwerken liegen Ausschnitte der Arbeiten der verschiedenen Künstler. Ich kann nur erahnen, wie die Stimmung in diesem Gebäude während des Schaffens gewesen sein muss. Ein Geruch von Phantasie und Inspiration liegt in der Luft. Bei einigen Werken bekomme ich Gänsehaut.

Von Zora Debrunner
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