von arttv, 16.07.2026
Schwerkraft, Energie und Bewegung

Mit ihrer Einzelausstellung eröffnet Katja Schenker die neuen Räumlichkeiten des Zürcher Museums Haus Konstruktiv im Westteil des Löwenbräukunst-Areals. (Lesedauer: ca. 1 Minute)
Die gebürtige St. Gallerin Katja Schenker konzipierte ihre Ausstellung «Caryatids Go for a Swim» mithilfe eines Modells der Ausstellungsarchitektur, das ihr eine spielerische Annäherung an den neuen Raum ermöglichte. Im Zentrum stehen grossformatige Zeichnungen aus der Serie «Volcano Street», die einer neuen Schaffensphase entstammen.
Diese begann 2022 während eines Atelieraufenthalts in London, wo die Künstlerin mit Ölkreide, Gouache und Körperabdrücken auf Papier arbeitete. Zur Eröffnung entwickelte sie zudem eine Live-Performance, in der sie gemeinsam mit Performerinnen den Raum erkundete und die titelgebenden Karyatiden – antike weibliche Säulenfiguren – in Bewegung versetzte.
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Ortsspezifische Installation und Performance
Seit mehr als zwei Jahrzehnten beschäftigt sich Katja Schenker (*1968, St. Gallen) mit performativen Arbeiten, Zeichnungen, Skulpturen und Installationen im Innen- und Aussenraum. Charakteristisch für ihr Schaffen ist die Auseinandersetzung mit dem jeweiligen architektonischen Kontext.
Für ihre Ausstellung im Museum Haus Konstruktiv nutzt sie die acht massiven Pfeiler des Ausstellungsraums als Ausgangspunkt für die titelgebende Performance «Caryatids Go for a Swim», die an der Vernissage uraufgeführt wird. In Anlehnung an die Karyatiden der antiken Architektur verlassen fünf Frauen ihre Positionen und werfen sich Schnurknäuel zu. Dabei entsteht nach und nach eine dichte, netzartige Struktur, die durch zwei Metallobjekte mit Kupferfedern geführt wird. Durch das Werfen, Spannen und Verformen verändern sich die Materialien kontinuierlich. Die Performance entfaltet ein dynamisches Wechselspiel von Bewegung und Gegenbewegung, Stabilität und Auflösung und thematisiert Prozesse der Transformation und des Zusammenwirkens.
Zeichnung als körperlicher Prozess
Die Auseinandersetzung mit Schwerkraft, Energie und Bewegung prägt auch Schenkers zeichnerisches Werk. Ein Grossteil der ausgestellten Arbeiten entstand eigens für die Präsentation im Museum Haus Konstruktiv. In den Serien «Volcano Street», «Jubilee Street» und «Red Is Not the Only Colour» wird der Körper selbst zum Werkzeug. Linien, Verdichtungen und Spuren machen den Entstehungsprozess sichtbar und verweisen auf die unmittelbare physische Präsenz der Künstlerin. Mit Ölsticks und Ölpastellkreide in verschiedenen Rottönen schafft Schenker Arbeiten von grosser Intensität, in denen Körperlichkeit, Energie und Emotion zusammenfinden.
Körper, Raum und Transformation
Verbindungen zwischen den Zeichnungen und den Metallobjekten der Performance ergeben sich nicht zuletzt durch das Material Kupfer, das aufgrund seiner Wärmeleitfähigkeit mit Energie und Lebendigkeit assoziiert wird. Ergänzend zur Ausstellung sind in der Glasbox zwischen West- und Ostteil des Gebäudes fünf Videoarbeiten aus den Jahren 2011 bis 2026 zu sehen. Sie geben Einblick in Schenkers langjährige Beschäftigung mit Körper, Raum und Wahrnehmung. Im Zentrum steht dabei die Durchlässigkeit von Grenzen – zwischen Körper und Raum, Material und Bewegung, Stabilität und Veränderung. Ihre Werke erscheinen als offene Prozesse, in denen sich Präsenz und Vergänglichkeit gleichermassen einschreiben.
Noch bis 6. September zu sehen: Die Ausstellung in Zürich
Katja Schenker | Caryatids Go for a Swim | Museum Haus Konstruktiv | 4. Juni bis 6. September 2026

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