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19.10.2015

Schwein gehabt

Schwein gehabt
Reden kann er ja, aber von Tuten und Blasen hat Essig keine Ahnung. Das Signalhorn zeigt’s. | © Inka Grabowsky

Das Kreuzlinger Museum Rosenegg beschäftigt sich im Rahmen der Ausstellung zu ländlichem Leben im Mittelalter mit Sprichwörtern und Redensarten. Viele gehen auf den damaligen Alltag zurück. "Schwein gehabt" heisst die aktuelle Sonderausstellung.

Rolf-Bernhard Essig, einer der bekanntesten Sprichwort-Experten im deutschsprachigen Raum, sorgte im vollbesetzten Stucksaal der Rosenegg für eine furiose Vernissage. Binnen einer Stunde erklärte er die Herkunft und die eigentliche Bedeutung von Sprichworten und Redensarten. Der Titel der Sonderausstellung durfte selbstverständlich nicht fehlen: „Schwein gehabt“ entstand, weil ein Ferkel bei Schiess-Wettkämpfen oft der Spottpreis für den schlechtesten Schützen war. („Einen Bock schiessen“ hat die gleiche Herkunft). Da nun aber ein Ferkel durchaus nützlich ist, steht „Schwein haben“ bis heute für unverdientes Glück.

Ausserdem konnte der Sprachwissenschaftler entschlüsseln, welche Funktion die Sprachbilder haben: „Sprichworte dienen der Erziehung: ‚Langes Fädchen, faules Mädchen’ kennt fast jeder. Bis ins hohe Alter erinnern sich Menschen an solche Sprüche.“ Redensarten dagegen seien wie ein Erkennungszeichen. Da sie in bestimmten Kulturkreisen kursieren, kann man sich über ihren gezielten Einsatz als zur Gruppe zugehörig darstellen. „Barack Obama benutzt so viele Redensarten wie kaum ein Präsident vor ihn“, so Essig. „Er will klingen wie ein Familienmitglied.“ (igr)

Rolf-Bernhard Essig bindet der Museumsleiterin Heide Hofstetter (und dem Publikum) einen Bären auf. Die Ausstellung ist noch bis Ende 2015 zu sehen. (Foto: Inka Grabowsky)

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