von Katharina Alder, 04.05.2013
Schnyder, Götz und Schnyder

Die bühni wyfelde lädt jeden ersten Donnerstag im Monat zur Politsatire mit und von Thomas Götz – eine Bericht aus dem vollgestopften Theaterhaus Weinfelden.
Katharina Alder
Donnerstagabend, 20 Uhr – das Theaterhaus in Weinfelden ist zum Bersten voll, denn die bühni wyfelde präsentiert Ergötzliches am Donnerstag, eine Politsatire mit Thomas Götz, die schon seit einiger Zeit sehr erfolgreich auf dem Programm steht. Die Idee, Satire- oder Late-Night-Shows, die ursprünglich vor allem durch das Fernsehen bedient wurden, auf die Theaterbühne zu bringen, wird nun schon seit einiger Zeit an diversen Theatern umgesetzt, so etwa auch durch Keller/Schuran in Frauenfeld.
Theatrale und private Aspekte
Das Setting auf der Bühne entpuppte sich als relativ schlicht, doch sehr stilvoll. Das Setup der Musiker nimmt den Grossteil des Bodens ein, vorne zentriert steht ein Notenständer, wo sich Thomas – auf der Bühne bewegen sich alle per du und in ganz privatem Rahmen – nach einem Einspiel mit dem Titel L.O.V.E. der Wallfanger Jazzgroup (Natalie Arcorace, Billy Schmid, Walo Gröbli, Dandy Meier und Martin Schärer) aufstellt und das Publikum begrüsst. Noch ist nicht ganz klar, ob der Abend sich in eine theatrale – der Raum und die Bühne geben das per se vor – oder eher in eine private Richtung – der Habitus der Musiker, des Filmers Daniel und des Kabarettisten Thomas deuten darauf hin – entwickelt. Die kommenden 70 Minuten zeigen, dass beide Konzepte zu etwa in etwa gleichem Mass zum Zuge kommen.
Ein Monat mit Wasser und Brot – und TZ
Die erste Sequenz bestreitet der Gastgeber ganz als Thomas, schildert, wie er nach der letzten Ausgabe zusammen mit Daniel von der Polizei verhaftet wurde und zeigt einen ziemlich amüsanten Film direkt aus dem Gefängnis in Frauenfeld, wo die U-Haft mit Wasser, Brot und „Thurgauer Zeitung“ – wie wenn man nicht schon gestraft genug wäre (Zitat Götz) – verbracht wurde. Erfreut stellt man dabei fest, dass die Kantonspolizei anscheinend Zeit und auch Lust an Amateurschauspielerei hat und hofft insgeheim auf eine fruchtbare Weitereinwicklung der Zusammenarbeit zwischen Theater und Justiz. Ganz passend zu diesem Thema ist dann auch das positiv absurde, in seiner eigenen Sache aber trotzdem etwas fragwürdige Politinterview.
Starkes Figurenspiel
Nach dem ersten Block präsentiert Götz seine Figur Kantonsrat Arnold Schnyder, was seine eigentliche Stärke ist. War Götz al Privatperson noch etwas unsicher und fahrig, steigt er nun zu Höchstform auf, erzählt eine unglaublich lustige Geschichte von Bob fahrenden SVPlern, Bestechungsgeschenken und sonstigen Fieberträumen. Das Publikum dankt mit schallendem Gelächter und grossem Applaus. Auch hinsichtlich des Talkgastes hat er sich dieses Mal wohl etwas Spezielles einfallen lassen. Ebenfalls als Kunstfigur präsentiert er Sabine Schnyder, ihrerseits SP-Kantonsrätin und Schwester von Arnold und lässt sich somit selbst durch David Angst befragen. Beide Figurenauftritte meistert er grossartig, findet eine passende Mischung von Überzeichnung in den richtigen Momenten und gleichzeitig realistischem Spiel. Kurz vor Schluss gibt er zusammen mit der Band eine deutsche Version von Azzurro zum Besten, wo er sich leider durch Unsicherheiten aus dem Konzept bringen liess.
Abschliessend lässt sich sagen, dass Thomas Götz ein wunderbares Talent für Figuren besitzt und in diesen Sequenzen auch mit spitzem, pointiertem und bissigem Humor brilliert. Die Passagen als Privatperson verlieren durch diese beschriebene starke Präsenz an Kraft und Überzeugung, was der vorherigen Leistung aber keinen Abbruch tut. In diesem Sinne kann man sich auf weitere Darbietungen seiner Kunstfiguren freuen.
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