17.04.2014
100'000 Fr. für Klostertagebuch

Die Universität Bern plant die Online-Ausgabe des Einsiedler Klostertagebuchs (1670–1704) von Pater Joseph Dietrich. Von den insgesamt 18 Bänden beinhalten vier Aufzeichnungen des Paters als Statthalter auf Schloss Freudenfels TG. Aus diesem Grund gewährt der Regierungsrat für das Projekt einen Lotteriefondsbeitrag von 100 000 Franken.
Zwischen 1670 und 1704 hatte der Einsiedler Pater Joseph Dietrich im Auftrag seines Abts ein Klostertagebuch geführt, das insgesamt 18 Bände umfasst. 13 dieser Bände entstanden in Einsiedeln, einen führte er als Beichtvater im Kloster Fahr und vier als Statthalter auf Schloss Freudenfels im Kanton Thurgau. Die fast täglichen Aufzeichnungen schildern den klösterlichen Tagesablauf, religiöse Fragen, Reisen, Land- und Forstwirtschaft, juristische Querelen, Verwaltungsprobleme sowie detaillierte Beschreibungen des Wetters vor mehr als 300 Jahren. Die Notationen zum Wetter gehören zu den wichtigsten mitteleuropäischen Quellen für die Erforschung des sogenannten Late Maunder Minimums (1675–1715), dem Höhepunkt der kleinen Eiszeit. Somit ist nachvollziehbar, dass die Tagebücher für die klimageschichtliche Forschung angesichts der weltweiten Klimaveränderungen von grosser Bedeutung sind.
Die Projektdauer beträgt fünf Jahre, die Online-Edition soll danach auf der Homepage des Klosters Einsiedeln der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Herausgabe ist vom Lehrstuhl von Prof. Dr. Christian Rohr, Abteilung für Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte am Historischen Institut der Universität Bern, geplant. Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 1,35 Millionen Franken, was 75 000 Franken pro Band entspricht. An die Kosten leistet der Kanton Thurgau einen Beitrag von 100 000 Franken aus dem Lotteriefonds. (id)
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