von Michael Lünstroth・Redaktionsleiter, 08.10.2026
Mehr Zeit für Entwicklungen

Das Thurgauer Literaturhaus geht neue Wege: Die Programmleitung soll künftig fünf Jahre gestalten können und der Stiftungsrat wünscht sich ein Literaturfestival für Gottlieben. (Lesedauer: ca. 3 Minuten)
Wer in den vergangenen Jahren das Literaturhaus Thurgau geleitet hat, der hatte in der Regel nicht viel Zeit zu glänzen. Die Amtszeit war auf maximal drei Jahre festgeschrieben, danach musste nach den Vorgaben des Stiftungsrats der Thurgauischen Bodman-Stiftung ein Wechsel erfolgen.
Zwei Gründe hatten laut Stiftungsratspräsident Lorenz Zubler in der Vergangenheit dafür gesprochen: „Zum einen wollten wir verschiedene Handschriften im Programm erkennbar machen und mit unterschiedlichen Leitungen mehr Vielfalt ermöglichen. Zum anderen war der Job bislang eher mit einer bescheidenen Aufwandsentschädigung dotiert, das kann man niemandem länger zumuten“, sagt Zubler im Gespräch mit thurgaukultur.ch
Jetzt wurde erstmals nicht eine bestimmte Person aus dem Dunstkreis des Stiftungsrats angefragt, sondern eine Programmleitung im 30-Prozent-Pensum ausgeschrieben. In dieser Ausschreibung für die neue Literaturhaus-Leitung ist die Stiftung nun zudem von der 3-Jahres-Befristung abgewichen. Künftig soll die Stelle auf fünf Jahre befristet sein, zudem auch mit einer Option auf Verlängerung. Was führte zu dem Kulturwandel?
40’000 Franken mehr pro Jahr fliessen jetzt nach Gottlieben
Lorenz Zubler redet nicht lange drum herum: „Durch die neue, deutlich erhöhte Leistungsvereinbarung mit dem Kanton, können wir sowohl die Position der Programmleitung als auch die Geschäftsführung endlich angemessen bezahlen. Jetzt können wir guten Gewissens die Stelle so ausschreiben“, sagt Zubler.
Tatsächlich erhält das Literaturhaus für die Jahre 2027 bis 2030 künftig 100’000 Franken pro Jahr aus dem Lotteriefonds des Kantons Thurgau. Bislang lagen die Zuschüsse des Literaturhauses mit 60’000 Franken pro Jahr deutlich darunter. Eine Steigerungsrate von 67 Prozent - es gibt wahrscheinlich nicht viele Literaturhäuser in der Schweiz, die ein solches Wachstum vorweisen können. Einerseits. Andererseits sind die Budgets der grossen städtischen Literaturhäuser in Basel oder Zürich immer noch meilenweit entfernt von den Mitteln, die man künftig in Gottlieben zur Verfügung hat.
Trotzdem ist Lorenz Zubler jetzt erstmal zuversichtlicher für die nächsten Jahre: „Der Stiftungsrat möchte, dass sich das Thurgauer Literaturhaus entwickeln kann. Dass auch die neue Leitung die Chance erhält, das Haus zu entwickeln. Dafür sind drei Jahre oft zu kurz“, so Zubler. Wichtig sei ihm aber ebenso gewesen, die Postion der Geschäftsleitung aufzuwerten. „Beide Personen sind elementar wichtig für unseren künftigen Weg“, erklärt der Stiftungsratspräsident.
Wünsche des Stiftungsrats: ein Festival, mehr Schulen im Haus und mehr Sprachen
Wie der genau aussieht, das wolle man mit der neuen Leitung gemeinsam definieren. Ein paar Ideen hat er aber auch schon. „Ich fände es sehr schön, wenn wir ein Literaturfestival etablieren könnten, das über den Thurgau hinausstahlt und ein Wochenende lang spannende Literatur nach Gottlieben bringt“, so Zubler. Über das genaue Profil werde noch zu reden sein. Was sich Zubler ebenfalls vorstellen könnte ist eine engere Zusammenarbeit mit Schulen aus dem Thurgau. Das könnte dabei helfen, das Literaturhaus einem jüngeren Publikum bekannt zu machen.
Ein anderer Herzenswunsch von Lorenz Zubler ist mehr Sprachenvielfalt: „Wir sind ein viersprachiges Land, das könnte man auch mal im Thurgau realisieren und regelmässig Autorinnen und Autoren aus den anderen Sprachregionen einladen“, findet der Stiftungsratspräsident. Wer also auch immer am 1. Januar 2027 in Gottlieben übernimmt - er oder sie wird sich mit den vorliegenden Ideen auseinandersetzen dürfen.
Was der aktuelle Programmchef zur Entwicklung sagt
Die Ausschreibung ist seit Ende September beendet, bis spätestens Ende Oktober soll die Entscheidung stehen, so Zubler. Ein dreiköpfiger Ausschuss aus Stiftungsratsmitgliedern (Walter Rügert, Bernhard Bertelmann, Lorenz Zubler) bereitet diese Entscheidung vor. „Wir diskutieren das aus und am Ende werden wir dem gesamten Stiftungsrats eine überzeugende Lösung präsentieren können“, ist Zubler überzeugt.
Dass der neue Programmchef genauso heisst wie der aktuelle Programmchef ist nicht ausgeschlossen. Karsten Redmann leitet das Literaturhaus seit zwei Jahren und hat seinen Hut erneut in den Ring geworfen. Er sagt auf Nachfrage von thurgaukultur.ch: „Ich hätte für die Zukunft des Hauses sehr viele Ideen und mittlerweile auch das nötige Wissen um das Bodmanhaus voranzubringen. Mal sehen, ob mir der Stiftungsrat sein weiteres Vertrauen für diese Entwicklungsarbeit schenkt. Ich hätte grosse Lust und Freude als Programmleiter weiterhin neue Impulse in Gottlieben zu setzen. Das Literaturhaus hat enormes Potenzial.“

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