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von Martin Preisser, 04.07.2009

Komödie - entstaubt

Komödie - entstaubt
Jean Grädel: Ich zeige das Stück jenseits von Operettenglamour. | © Martin Preisser

Jean Grädel inszeniert beim See-Burgtheater die diesjährige Produktion „Im weissen Rössl". Er verspricht eine entstaubte Komödie. Premiere ist nächsten Donnerstag.

Martin Preisser

Jean Grädel, Sie wollen den Operettenschinken „Im weissen Rössl" entstaubt auf die Seebühne bringen.


Wie vielleicht viele andere auch haben wir beim „Weissen Rössl" ja die kitschige Revue mit Peter Alexander im Kopf. Ich zeige das Stück aber jenseits von Operettenglamour und inszeniere nah an der Vorlage von 1930, die Leopold Huber für diese Produktion bearbeitet hat.

 

Wie entstaubt man so ein Stück?

 

Ich verlasse mich ganz auf die Kraft des Textes, nehme das Stück, das ja letztlich selbst eine Parodie auf die herkömmliche Operette war, beim Wort. Ich inszeniere es im Tempo eines kabarettistischen Singspiels, lasse jede falsche Sentimentalität weg und bringe die Schauspielerinnen und Schauspieler dahin, die Figuren wirklich zu sein und nicht Klischees darzustellen.

 

Sind Sie mit der Probenarbeit im Endspurt zufrieden?

 

Wir sind auf gutem Weg. Das Stück gewinnt an Gestalt. Und das gute Wetter in den letzten Tagen war natürlich ein riesiges Geschenk, da wir alles direkt auf der Seebühne ausprobieren konnten und nicht auf einen Probensaal ausweichen mussten.

 

Die Schauspieler müssen auch singen und tanzen.

 

Ja. Sie sind echte Allrounder. Und jenseits vom Operettenklischee wird es keinen Schöntanz und keinen Schöngesang geben. Ich verlange eine andere Art zu singen, eher in Richtung Chanson. Die Schauspieler singen dann, wenn der Punkt erreicht ist, an dem es mit dem Schauspiel nicht mehr weiter geht.

 

Tanz und Musik sind also integrierende Bestandteile?

 

In der normalen Operette wirken die Balletteinlagen oder auch der Gesang ja oft wie künstliche Zusätze. In unserer Seebühnen-Fassung des „Weissen Rössl" soll Schauspiel ganz natürlich in den Tanz oder in die Musik übergehen. Und die Figuren sollen als Figuren tanzen. Mit dieser Art wollen wir dem Kitsch entkommen und dem ursprünglich Kabarettistischen im Stück nachspüren.

 

"Im weissen Rössl" enthält ja auch viele Anspielungen auf die Zeit der Entstehung des Stücks.

 

Das gehört zum Schwierigsten und Anspruchsvollsten für mich als Regisseur. Es ist schwierig fürs Publikum, die Anspielungen der damaligen Gegenwart zu verstehen. Aber wir haben uns einiges einfallen lassen, wie in unserer Darstellung des „Weissen Rössl" die Pointen sitzen sollen, ohne dass allzu viel aus dem Original von 1930 verloren geht.

 

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