Seite vorlesen

von arttv, 18.12.2024

Irritation als Strategie

Irritation als Strategie
Nur ein Kaktus? Oder steckt mehr darin? Solchen Fragen geht die aktuelle Ausstellung im Haus zur Glocke nach. | © arttv.ch

Die Gruppenausstellung «Wahrnehmung und Irritation» im Steckborner Haus zur Glocke fragt im Kontext künstlerischer Praxis nach dem Verhältnis von Wahrnehmung und Rezeption. (Lesedauer:ca. 1 Minute)

Wie weit wird unser Schauen durch Vorannahmen bestimmt – sogar verunmöglicht? Können Kunstwerke unsere Wahrnehmung anregen oder verschieben? Im Nachspüren unserer sinnlichen Eindrücke in der Begegnung mit Kunst verwandeln sich Momente der Irritation in eine bereichernde Erfahrung – die Imagination von uns als Betrachter:in sowohl erfordert wie bestärkt.

Jetzt das ganze Video ansehen

Die Lust am Schauen

Wellen, Stoff, Volumen und Bewegung sind die Grundkonstanten im Werk von Evelina Cajacob. Die Künstlerin zeichnet damit, indem sie auf bestehende Räume oder Ordnungen subtil eingeht, neue Fäden darüberlegt. Die Ebenen scheinen dabei oft zu verschmelzen. Daraus entsteht im Schauen eine neue Welt aus der Bewegung der Linie, der Hände, der Stoffe, die sich mit den Volumen des Bildraumes verschränken.

El Frauenfelder beschäftigt sich mit der bildnerischen Darstellung in der Fläche, deren physische Wirkung sich bisweilen reliefartig als Material im Bild präsentiert – um umgedeutet, für einen anderen Inhalt zu stehen. Was sich dem Betrachter und der Betrachterin in der starken Abstraktion als Anwesenheit von Architektur, Landschaft oder Interieur aufbaut, entzieht sich doch stets in der Abwesenheit, um das Gesehene in Frage zu stellen.

 

Co-Kurator Andreas Schwarz erläutert die neue Ausstellung. Bild: arttv.ch

Christoph Rütimann ist auch dabei

Christoph Rütimanns Arbeiten laden ein, gewohnte Wahrnehmungsmuster neu zu justieren. Das geschieht immer wieder durch Arrangements und Handlungen, die dem Alltag zwar verwandt, aber verfremdet in Erscheinung treten. Physikalische Kräfte werden ausgehebelt, Blickrichtungen beginnen zu tanzen und verrutschen, Pflanzen bekommen einen performativen Auftritt – um aus einem künstlerischen Denken heraus befragt zu werden.

Das Werk von Aline Witschi zeigt sich geprägt von Mehrteiligkeit, Umdeutung des Materials, einer kritischen Verrückung von mit Symbolkraft behafteten Gegenständen. Meist aus dem Alltag entnommen, verleiht sie diesen durch die künstlerische Befragung eine ungewohnte Lesart. Sie thematisiert das Verhältnis von Täuschung und Wirkkraft, Gebrauchsgegenstand und Kunstobjekt, Verletzlichkeit und Irritation.

 

Ausstellungsansicht. Bild: arttv.ch

 

Die Ausstellung

Wahrnehmung und Irritation | Haus zur Glocke | 23. November 2024 bis 25. Januar 2025 | Steckborn

 

www.hauszurglocke.ch 

 

Kommentare werden geladen...

Von arttv

Kommt vor in diesen Ressorts

  • Kunst

Kommt vor in diesen Interessen

  • arttv.ch
  • Bildende Künste

Werbung

Programmleiter:in (30%)

Das Literaturhaus Thurgau am Seerhein in Gottlieben sucht per 1. Januar 2027 eine verantwortliche Person für die Programmleitung. Bewerbung: bis 30. September 2026.

Gesucht per Herbst 2026: Geschäftsführung 20-30%

Das GENERATIONS steht für aktuellen Jazz, internationale Vernetzung und die nachhaltige Förderung junger Musiker.

Ähnliche Beiträge

Kunst

Wie die Natur Kunst schafft

Von der Pilzspore bis zum gewaltigen Eisberg, der Reichtum der Natur ist das Sujet von Georges Wenger. Der Künstler und Typograf zeigt sie nun mit «Radikaler Aufmerksamkeit» im Kunstverein Frauenfeld. mehr

Kunst

Diese entsetzliche Lücke

Licht, Architektur, Gesellschaft: Asi Föcker und Anne Gathmann legen im Shed des Eisenwerks rätselhaft-kunstvolle Spuren zur Deutung unserer Zeit. mehr

Kunst

Ein Maler wie kaum ein anderer

Ein Zufall sorgte vor über 50 Jahren dafür, dass Willi Oertig Künstler wurde. Seine Werke waren so beliebt, dass er seine Familie davon ernähren konnte. Nun ist er im Alter von 79 Jahren gestorben. mehr

Werbung

Werbung