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von Anschi Inauen, 12.04.2016

Im Rampenlicht: Raphael Kaufmann

Im Rampenlicht: Raphael Kaufmann
Illustration | © Rina Jost

«Der Thurgau performt!» Unter diesem Titel bietet der Thurgau an der Schweizer Künstlerbörse 2016 einen besonderen Einblick ins Werk seiner Künstlerinnen und Künstler. Die Auswahl der Produktionen ist sehr breit und reicht vom Theater für Kinder und Jugendliche über Kabarett bis hin zur Musik mit fetten Beats. Den Schwerpunkt legt der Kanton auf Poetry Slam. Im Vorfeld der Künstlerbörse in Thun stellen wir die einzelnen
Thurgauer Vertreter täglich vor, heute: Raphael Kaufmann – Slam Poet.

Anschi Inauen

 

Er hätte schon als Säugling mit Legos Wörter geformt und im Vorschulalter Goethe rezitiert, wäre gelogen. 2010 wurde Raphael Kaufmann als absoluter Aussenseiter u20-Poetryslam-Schweizermeister. Er überzeugte mit einem kantigen, schrillen und ohrenbetäubenden Thurgauer Dialekt. Seine Performance wurde auch schon mit dem Schallmuster einer Kreissäge verglichen. Inhaltlich steht er nichts nach. Er gibt gerne den unschuldigen Dorfjungen, doch seine Texte zeugen von einem ganz unkonventionellen Blick auf das Alltagsgeschehen. Mit einem tiefen Sinn für Ironie, mit feinfühliger politischer Satire und seiner kokettierenden Art trifft er den Nerv der Zeit.

 

 

Drei Fragen an Raphael Kaufmann

 

Was verbindet Sie mit dem Thurgau?

 

Eine Kindheit, eine Jugend und ein Dialekt, den niemand ernst nimmt.

 

Welches war Ihr bestes, schönstes, lustigstes Erlebnis im vergangenen Jahr im Thurgau?

 

Als ich mit dem Intercity von Zürich nach Wil fuhr, um dort auf das Postauto nach Bichelsee umzusteigen, und wir grad die liebliche, hügelige Landschaft des Hinterthurgaus passierten, sagte ein ältere Dame in meinem Abteil zu ihrem Mitreisenden: "Do wött ich au nöd mössä wohnä." Anscheinend hat bei mir das Schicksal ziemlich grausam zugeschlagen, dass ich in dieser unwirtlichen Gegend aufwachsen musste.

 

Wer ist Ihr Lieblingskünstler aus dem Thurgau?

 

Hausi Leutenegger. Er ist auch in Bichelsee aufgewachsen und erwähnt das bei jeder Gelegenheit, obwohl er schon längstens in lukrativeren Gemeinden wohnt. Sein Wille zum Entertainer und Alleinunterhalter ist ungebrochen und schliesslich ist es der Wille, der zählt. Schlussendlich ist er aber auch der einzige Thurgauer, der einmal an der Seite des legendären Klaus Kinski spielen durfte.

 

Foto: Raphael Kaufmann/Patrick Frischknecht

 

 

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