von Ekkehard Faude, 17.06.2013
Eröffnung Museum Haus Dix

Am 15. Juni wurde in Hemmenhofen (DE) das ehemalige Wohn- und Atelierhaus des Künstlers Otto Dix als Museum Haus Dix der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Lengwiler Libelle Verleger Ekkehard Faude postete seine Eindrücke auf Facebook und erweitert hier diesen - leicht kritischen - Bericht exklusiv für thurgaukultur.ch.
Ekkehard Faude
Am Samstag, bei der Fahrt zur Buchvorstellung in Gaienhofen, am Tag der Eröffung des Dix-Museums, ist die Vorstellung eines Kinderbuchs von Nelly Dix ja gerade passend. Über die Dörfer entlang dem See bis Stein, es gibt Bahnschranken, die einen mit Rotlicht zur Besinnung bringen. In Steckborn, wo das Hochwasser gerade in den Stadtgarten zu schwappen versucht, bumperte aus einem Festzelt eine Melodie, ich brauchte einige Zeit, um das Lied zu erkennen: „Super Trouper“. Die Abba sind nun auf die Blasmusik gekommen. Man möchte sich hinlegen, seufzend: dass ich das noch erleben darf…
Jeder eine Monade für sich
Im neu eröffneten Dix-Museum ist alles auf Audioguide ausgestellt. Man sieht museale Relikte, auch das schöne Himmelbett von Nelly Dix, das sie mit einem Totentanz-Fries geschmückt hatte. Man sieht das alles, aber kriegt keine optische Erklärung mehr. Kein Täfelchen, keine Legende. Das muss man mögen, für Jüngere oder auch weniger Leselustige mag das die moderne Lösung sein. Ich mag‘s eher nicht, wenn mir einer dauernd ins Ohr quatscht, nicht einmal, wenn mir Wahlmöglichkeit zwischen drei Dimensionen der Erklärung gegeben wird. Ich halte das für einen Irrglauben unserer Jahre, man könne uns aufs Hören festlegen, vereinzelt, jeder eine Monade seiner selbstversunkenen Lauschaktion.
Aber das sind nur einmal vorschnelle und ungerechte Bemerkungen: Am Samstag war das Haus so voller Besucher und so heiss, dass wir schon deshalb bald abgedreht sind. Wir holen das in Ruhe nach, wenn die Touris wieder weg sind, und dann auch digital gehörgeführt.
Reste der Fasnachtsfeiern
Sichtlich vergnügt war am Samstag der 84jährige Jan Dix, der für die Buchausgabe (Nelly Dix, „Die Geschichte vom weitgereisten kleinen Teufel Eitel“) ein Vorwort geschrieben hatte. Das Museum ist in den Räumen, in denen Jan Dix seine Jugend erlebt hat; seine Eltern Otto und Martha Dix haben ihr Haus 1936 in Hemmenhofen gebaut, damals noch kein Ortsteil von Gaienhofen. Dort auch hat seine dreizehnjährige Schwester Nelly ihm das Kinderbuch geschrieben und aquarelliert. Er nahm uns beiseite, ging voraus in die kühlen Kellerräume mit ihren Wandmalereien, Reste der wilden Fasnachtsfeiern im Hause Dix, bei denen auch die Mühlenwegs aus Allensbach mit dabei waren, als noch zu Seeräuberfesten eingeladen wurde mit dem selbstverständlichen Hinweis der Nachkriegszeit: Proviant ist mitzubringen.
***
Volles Haus für Nelly Dix: Buchvernissage des Libelle Verlags in Gottlieben im Oktober 2010
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