10.03.2010
«Die schwarze Spinne» im Maisfeld

Von der Seebühne ins Maisfeld: Das See-Burgtheater bleibt auch im Sommer 2010 im Kreuzlinger Seeburgpark, kommt aber wieder an Land. Vom 22. Juli bis 22. August 2010 steht mit «Die schwarze Spinne» nach der Novelle von Jeremias Gotthelf ein Stück klassischer Schweizer Literatur auf dem Programm.
Leopold Huber, Intendant und Regisseur des professionellen Ensembles, hat die teuflische Erzählung als musikalisches Theaterstück adaptiert. Hans von Stoffeln, Teutscher Adeliger aus dem Schwabenland, unterdrückt die Bauern auf seinem Schweizer Gut. Wenn sie ihm nicht in einem Monat eine Allee von hundert ausgewachsenen Buchen vors Schloss pflanzen, will er sie peitschen lassen, «bis kein Fingerlang mehr heil ist an ihnen», und die Kinder will er den Hunden vorwerfen. In der Not lässt sich die mutige Christine, eine Fremde aus Lindau, zum Wohl der Allgemeinheit mit dem Teufel ein, der für die Arbeit am Schattengang ein ungetauftes Kind verlangt.
Unter der musikalischen Leitung von Goran Kovacevic begleitet das vierköpfige aber reich instrumentierte Dusa Orchestra die Handlung. Bekannt für seine kunstvolle Genre-Verschmelzung europäischer Musikstile versetzt es teils bekannte Schweizer, teils eigens für «Die schwarze Spinne» komponierte Volksmusikstücke mit Jazz- und Balkanklängen und lässt so das Fremde atmosphärisch-bedrohlich auch in die Musik eindringen. Ein zwanzig Stimmen starker Chor tritt als Dorfgemeinschaft auf und besingt dazu quasi kommentierend die Freude und das Grauen der Protagonisten.
Diese werden überwiegend von bewährten See-Burgtheater-Schauspielern gespielt: Astrid Keller, Mitbegründerin und Co-Leiterin des See-Burgtheaters, schlüpft in die Rolle des Teufels. Erich Hufschmid – See-Burgtheater-Freunden bekannt als Graf Zeppelin oder Rechtsanwalt Dr. Siedler im «Weissen Rössl» – mimt den Pfarrer. Werner Biermeier – ehemals Berliner Fabrikant Giesecke – verkörpert den Gemeindeammann. Lotti Happle, die Hure aus «La Strada», wird zur Kindsmutter Vreni. Die Rolle der Christine, die sich zeitweise in die titelgebende Spinne verwandelt, übernimmt mit Ingrid Lang eine tanzende Schauspielerin.
Gespielt wird – dem See-Burgtheater angemessen – an einem ausgefallenen Ort: In ein Maisfeld vor Schloss Seeburg wird eine überdimensionale Spinnensilhouette gemäht. Über die Spinnenbeine gelangen die Zuschauer in den Bauch der Spinne, wo Bühne und Tribüne ihren Platz finden. (pd.)
Premiere: Do 22. Juli 2010 20 Uhr
Aufführungen:
Do 22.7., Fr 23.7., Sa 24.7.
Di 27.7., Mi 28.7., Do 29.7., Fr 30.7., Sa 31.7.
Di 3.8., Mi 4.8., Do 5.8., Fr 6.8., Sa 7.8.
Di 10.8., Mi 11.8., Do 12.8.
Di 17.8., Mi 18.8., Do 19.8., Fr 20.8., Sa 21.8., So 22.8.
Jeweils um 20 Uhr. Ab 18 Uhr Einlass und Bewirtung.
Aufführungsdauer: 20 bis ca. 22.30 Uhr, eine Pause
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