16.03.2014
Mississipi Desaster

Durch Zufall und Inszeinierung sind die neueste Werke des Fotokünstlers Ueli Alder enstanden. Auf den Spuren des Blues und der Suche nach der eigenen Identität fuhr er zu mystischen Orten und zur Geburtsstätte des Rock’n'Roll.
Der als Appenzeller Cowboy bekannte Fotokünstler Ueli Alder wollte seine Fahrt durch die Canyon-Landschaft in den Badlands in South Dakota dokumentieren. Der Ausflug entpuppte sich, zurück in Chicago, zunächst als ein Desaster. Erst hinterher stellte Alder fest, dass die Kamera defekt war und somit ein Grossteil der Filmrollen unbrauchbar. Ein Glücksfall hingegen sind die wenigen dort entstandenen Mehrfachbelichtungen, in denen sich infolge der Überlagerung der Bilder die verschiedenen Realitätsebenen narrativ miteinander verknüpfen. So scheinen sich drei Aufnahmen, die wie von Geisterhand zu einem Bild verbunden sind, auf die Legende von Robert Johnson, dem King of Delta Blues, zu beziehen.
Das fotografische Werk von Ueli Alder lebt von dem Zufall und der Inszenierung. Neben menschenleeren stimmungsvollen Landschaften und Interieurs, setzt sich der Künstler häufig selbst in Szene. Für das Bild, das Alder in seinem Atelier in Chicago zeigt, platzierte er wohldurchdacht Gegenstände. Gleichsam wie ein Fremdkörper im eigenen Studio gibt die über eine Stuhllehne geworfen Appenzeller Tracht Auskunft über die für Amerikaner exotische Herkunft des Künstlers. Vor allem aber nimmt Alder hier mittels Gestik und Details Bezug auf das berühmte Bild von Jeff Wall „After Invisible Man“. Immer wieder finden sich in seinen Arbeiten kunsthistorische Referenzen, die nicht immer beabsichtigt sind, sondern durchaus auch spontan im Moment der Aufnahme entstehen können.
Ob nun Zufall oder Konstruktion, allen seinen Bildern gemeinsam ist, dass sie ähnlich dem Blues ein Gefühl und eine besondere Stimmung ausdrücken, die von Trauer und Hoffnung gleichzeitig erfüllt ist. (art-tv.ch)
***
www.kunstraum-kreuzlingen.ch | Website von Ueli Alder
Kommt vor in diesen Ressorts
- Kunst
Kommt vor in diesen Interessen
- Vorschau
- Bildende Künste
- Fotografie
Ähnliche Beiträge
Diese entsetzliche Lücke
Licht, Architektur, Gesellschaft: Asi Föcker und Anne Gathmann legen im Shed des Eisenwerks rätselhaft-kunstvolle Spuren zur Deutung unserer Zeit. mehr
Ein Maler wie kaum ein anderer
Ein Zufall sorgte vor über 50 Jahren dafür, dass Willi Oertig Künstler wurde. Seine Werke waren so beliebt, dass er seine Familie davon ernähren konnte. Nun ist er im Alter von 79 Jahren gestorben. mehr
Mehr Struktur, mehr Programm: Wie sich das Eisenwerk professionalisiert
Mit dem sanierten Saal wächst das Frauenfelder Kulturhaus: Bis zu 600 Gäste sind nun möglich, zugleich steigen die Anforderungen. Das Ehrenamt soll trotzdem zentral bleiben im Betrieb. mehr

