24.02.2021
Am Anfang ein Gedicht
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#meinerstesmal: Tanja Kummer schreibt Kinderbücher, Erzählungen und Romane. Angefangen hat die Autorin allerdings mit Gedichten. Die 44jährige Thurgauerin hat diese ersten Texte aufbewahrt.
«Ich habe zwei Bananenkisten voller Tagebücher. Das erste Buch, das ich – als 11jährige und mit Bleistift – vollgeschrieben habe, ist ein rotes Büchlein, 9.5 auf 13.5 Zentimeter. Auf der ersten Seite steht: Meine Gedichte. Tanja Kummer. Und darunter: Leben, Lieben, Lachen sind die drei schönsten Sachen! Das ist natürlich nicht von mir, aber ich finde diesen Spruch so stimmig, ich könnte ihn heute noch auf die erste Seite jedes Tagesbuches schreiben.
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Für dich
Dann kommt das erste Gedicht. Ich würde es eigentlich gerne hier niederschreiben – aber es geht nicht, es fühlt sich an, als würde ich mein 11jähriges Ich verraten. Das Gedicht heisst «Für dich», adressiert sich an einen Jungen, es geht um Eifersucht, hat zehn Zeilen und endet in der Frage: «Liebst du mich?».
Es fällt mir schwer, Distanz zu meinen ersten Gedichten zu finden. Wie würde ich sie lesen, wenn ich nur wüsste, dass sie von einem 11jährigen Kind sind, aber nicht von wem? Fände ich sie herzig, rührend oder peinlich?
Warum Gedichte?
Ich weiss nicht, wie ich auf das Schreiben und zu den Gedichten gekommen bin. Ich habe viel gelesen, von Ronja, Pippi, Hanni und Nanni, Madita und dem Nesthäkchen. Und vielleicht war es naheliegender, einzelne Sätze und Fragen in Gedichtform aufzuschreiben als ganze Geschichten zu erzählen. Auch haben wir damals Reime in Poesiealben geschrieben:
Ich dachte lange hin und her,
was für das Album passend wär.
Da fiel mir dieses Sprüchlein ein,
du sollst für immer glücklich sein.
Die Kinderperspektive
Kinderbücher zu schreiben finde ich nicht schwierig. Ich schreibe das, was ich als Kind gerne gelesen hätte. Ich finde es aber schwierig, aus der Kinderperspektive zu schreiben: Ich war zwar ein Kind, bin es aber nicht mehr, weiss zu viel, auch über mein Kindsein, die Kindheit.
Vielleicht habe ich mit dem Schreiben begonnen, weil es schon damals funktioniert hat: Im Kopf sind viele Gedanken, auch wirre, widersprüchliche. Und dann schreibt man alles auf und das kleine Chaos sortiert sich, wird überschaubar.
Nur keine Angst
Es freut mich, dass ich nie Angst vor dem Schreiben hatte, nie dachte: «Ein Gedicht schreiben? Das kann ich nicht.» Die Reaktion erhalte ich oft, wenn ich Kreatives Schreiben unterrichte und die TeilnehmerInnen einlade, ein Gedicht zu schreiben: «Das kann ich nicht, ich kann nicht reimen.»
Und dann probieren sie es und es entstehen eindrückliche Gedichte (die sich selten reimen, sich ja aber auch nicht reimen müssen). Ich wünsche uns, dass wir das Neue furchtlos und mit Neugierde angehen können.
Weiterlesen: Ein Interview mit Tanja Kummer über ihren aktuellen Erzählband Bigoscht findet ihr hier. Die Autorin im Internet: www.tanjakummer.ch
Die Serie #meinerstesmal
Dinge zum ersten Mal zu tun, ist immer etwas Besonderes. Der erste Schultag, der erste Kuss, die erste eigene Wohnung - fast jeder kann sich an diese ersten Male erinnern. Bei Kulturschaffenden ist so ein besonderer Moment - das Debüt. Oder das erste Mal vor Publikum stehen. Genau dieses Gefühl wollen wir mit der neuen Serie einfangen.
Was treibt diese Menschen an? Wie fängt man so was an? Und wie fühlt sich das an, wenn man mit einem künstlerischen Debüt, ganz gleicher welcher Sparte, vor ein Publikum tritt? Wenn man gewissermassen über sein eigenes Leben hinaus und in das Leben der anderen hinein tritt? Man plötzlich öffentlich wahrnehmbar wird, sich zeigt und, nun ja, heraus ragt?
Jeder kann mitmachen: Möchtest Du uns auch Deine Geschichte von Deinem ersten Mal erzählen? Dann mach das doch! Das Format ist aber offen für jeden Künstler: Wer seine Geschichte mit uns teilen möchte, schreibt einfach eine Mail mit seinem Text (auch Video- und Audiodateien sind möglich) an unsere Mailadresse: michael.luenstroth@thurgaukultur.ch
Alle Texte auf einen Blick: Wir sammeln alle Beiträge der Serie in einem Themendossier. Das findet ihr hier.
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