05.04.2013
Vom Hundespaziergang zum Blick nach vorn

Alfred Muggli, Robert Fürer, Dagmar Diener, Philipp Stähelin, Roger Forrer und Sven Bradke, Mitglieder und Unterstützer der Stiftung Turmhof Steckborn, nehmen in persönlichen Statements Stellung zuhanden der Heimatvereinigung Steckborn. Es gehe den Mitgliedern darum, die historischen Ereignisse sowie die Fakten möglichst authentisch darzustellen, um so für Aufklärung und Verständnis zu sorgen, schreibt der derzeitige Stiftungsrats-Präsident Alfred Muggli.
Gebeten um eine ihrerseitige Stellungnahme, verweist die Peter Imhof, ebenfalls Stiftungsratsmitglied, in seiner Funktion als Vorstandsmitglied der Heimatvereinigung auf die Webseite www.turmhof-museum.ch. Neuigkeiten könnten dort jederzeit abgerufen werden. Darauf ist zuletzt am 8. Januar 2013 zu lesen, dass die Stiftung Turmhof „nur noch mit einem kompletten Neustart“ eine Zukunft hätte. Am 23. Januar machte diese im Studio des Lokalfersehens Steckborn Vorschläge zuhanden der Heimatvereinigung. Eine Reaktion darauf ist trotz Nachfrage von thurgaukultur.ch nicht erhältlich. Über einen Link gelangt man allerdings auf einen Blogeintrag vom 19. März. Darin heisst es, man böte Hand für eine professionelle Mediation. (red.)
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„Seit der Vorstand der Heimatvereinigung im Oktober 2011 die Forderung erhob, der ganze Turmhof sei dem Museum kostenlos zur Verfügung zu stellen, verwünsche ich dann und wann meine Begegnung vom 31. August 2002 mit Frau Doris Hertner beim Hundespaziergang im Wald. Frau Hertner eröffnete mir damals, dass sie bereit wäre, aus dem Erbe ihres Bruders einen Beitrag an die Erhaltung des Turmhofs zu leisten.
Die Evangelische Kirchgemeinde war seit 100 Jahren im Besitze des Turmhofes und stellte armen Kirchbürgern damals Sozialwohnungen zur Verfügung. Das Armenwesen wurde in der Mitte des letzten Jahrhunderts vom Staat übernommen und somit diente der Turmhof nicht mehr kirchlichen Zwecken. 1976 musste die Evangelische Kirchgemeinde für die Renovation des Wahrzeichens von Steckborn eine halbe Million Franken aufwenden, während die politische Gemeinde sich nur marginal an den Kosten beteiligte. Die Kirchgemeinde war auch nicht mehr bereit, den zukünftigen Unterhalt allein zu finanzieren.
Das Angebot von Frau Hertner, einen substantiellen Beitrag für die Erhaltung des Turmhofes zu leisten, erschien mir als Präsident der Evangelischen Kirchgemeinde wie ein Wunder. Wir boten der Heimatvereinigung den Turmhof zum Preis einer halben Million an und ich setzte mich deshalb mit Dr. Jost Gross in Verbindung, der von der Heimatvereinigung mit der Mittelbeschaffung beauftragt worden war.
Eine Schenkung des Turmhofs an die Heimatvereinigung, wie nachträglich der Stifterwille interpretiert wird, kam für das Ehepaar Hertner nicht in Frage. Sie entschieden sich auf Rat von Dr. Gross für eine Stiftung zugunsten des Turmhofes und seines Umfelds. Es war klar, dass das Museum im Turmhof verbleiben sollte. Dies war aber nicht das primäre Ziel der Stiftung, denn das Ehepaar Hertner wünschte damals, dass zum Andenken an die beiden im Kindesalter verstorbenen Buben Andi und Werni deren Grabtafeln am Turmhof angebracht werden sollten. Wenn heute behauptet wird, die Stiftung sei zur Erhaltung und zum Ausbau des Museums errichtet worden, dann ist das so nicht korrekt.“
Dr. med. Alfred Muggli, Präsident der Stiftung Turmhof; ehemaliger Präsident der Evangelischen Kirchgemeinde Steckborn
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„Herr und Frau Hertner wollten, so haben sie sich im Beisein von Dr. Jost Gross mir gegenüber geäussert, mit der Errichtung der Stiftung Turmhof einen substanziellen Beitrag zur Instandstellung des Turmhofs und seiner Nachbarliegenschaften leisten. Sie hätten ihre grosszügige Spende der Heimatvereinigung zukommen lassen können. Das haben sie aber nicht getan, weil es ihnen ein Anliegen war, im Turmhofbezirk eine Institution zu schaffen, die in der Lage sein soll, langfristig auf eigenen Füssen zu stehen. So ist denn – den erfolgreichen Beispielen der Kartause Ittingen oder des Frauenfelder Eisenwerks folgend - der Begriff der Eigenwirtschaftlichkeit in die Stiftungsurkunde eingeflossen. Gestützt auf diese Vorgaben liess die Stiftung Turmhof ein Nutzungskonzept erarbeiten, das neben der Fortführung des Museums Wohnungen, ein Atelier, einen Mehrzwecksaal und ein Bistro vorsah. Dieses Konzept habe ich Herrn und Frau Hertner unterbreitet und es hat deren begeisterte Zustimmung erfahren. Wenn Frau Hertner zehn Jahre nach der Stiftungsgründung in einem von einzelnen Exponenten der Heimatvereinigung initiierten Schreiben nun anderes behauptet, ist dies ohne rechtliche Bedeutung. Massgebend ist der Wille der Stifter im Zeitpunkt der Stiftungsgründung, nicht deren (möglicherweise beeinflusste) Interpretation nach zehn Jahren.
Einzelne Exponenten der Heimatvereinigung verlangen nun auch, es sei ihnen der Turmhof uneingeschränkt und unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Sie widersetzen sich so dem ursprünglichen Willen von Herr und Frau Hertner. Und sie riskieren, dass der Stiftungszweck unerreichbar wird. Ich hoffe, dass dies eine grössere Zahl von Mitgliedern der Heimatvereinigung einsieht und diese ihre nicht gesprächsbereiten Exponenten zum Einlenken auffordern. Denn der am Runden Tisch ausgehandelte und von der Stadt Steckborn und der Evangelischen Kirchgemeine Steckborn mitgetragene Kompromiss wäre für alle Beteiligten ein Signal für eine erspriessliche Zukunft.“
lic. iur. Robert Fürer, Frauenfeld
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„Seit rund eineinhalb Jahren vertrete ich die Evangelische Kirchgemeinde Steckborn im Stiftungsrat der Turmhofstiftung. Meine Motivation war, mir selbst ein Bild zu machen und an einer nachhaltigen Lösung mitzuarbeiten. Der Auftrag an den Stiftungsrat scheint klar: Umsetzen des Stiftungszweckes.
Die Art und Weise der Umsetzung dieses Zwecks kann man in der Tat hinterfragen – ich meine, es ist sogar meine Aufgabe. Ich stütze mich auf die Grundsatzvereinbarung zur Versammlung der Kirchgemeinde und der Politischen Gemeinde im Frühjahr 2002, aber auch auf die Abstimmungsbotschaft von Politischer und Evangelischer Kirchgemeinde anfangs 2003.
Folgende Fakten habe ich aber wiederholt in den Grundlagendokumenten angetroffen:
Die Stiftung soll den Turmhof und die Nachbargrundstücke erwerben und erhalten (der Erwerb und Verkauf von Liegenschaften ist ebenfalls ausdrücklich vorgesehen). Festgehalten ist weiter, dass die Stiftung das Museum der Heimatvereinigung beherbergen soll – in welchem Gebäude, wurde meines Erachtens nicht definiert. Festgehalten ist auch, dass sich die drei Parteien (Stadt, Kirchgemeinde und Heimatvereinigung) dafür einsetzen werden, dass Turmhof und Nachbarliegenschaften zu einem Zentrum werden, das über Steckborn hinaus ausstrahlt.
In all den Unterlagen, die mir vorliegen, habe ich keinen Passus gefunden, dass es im Turmhof keine Wohnungen mehr geben darf, dass der Turmhof ausschliesslich und kostenlos dem Museum zur Verfügung stehen muss. Eine solche Regelung wäre aufgrund der Auflage der weitgehenden Eigenwirtschaftlichkeit auch ein Widerspruch.
Die im Stiftungszweck genannte weitgehende Eigenwirtschaftlichkeit darf nicht unterschätzt werden. Wird dieser nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt, fürchte ich, dass früher oder später der Steuerzahler in die Tasche greifen muss – was definitiv nicht das Ziel der Stiftung war und ist.
Der Runde Tisch in Ittingen und das dabei entstandene Konzept diente daher in hohem Mass der Lösungsfindung und entspricht aus meiner Sicht in allen Punkten dem vor über 10 Jahren Festgehaltenen.“
Dagmar Diener, Präsident der Evangelischen Kirchenvorsteherschaft Steckborn
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„Viele gemeinnützige, soziale oder kulturelle Einrichtungen in unserem Lande haben die Form von Stiftungen. Deren Leitungsorgane, die Stiftungsräte, werden in aller Regel durch Personen getragen, die sich im Interesse des Stiftungsanliegens und nur deshalb zur Verfügung stellen. Und so habe ich es auch bei der Stiftung Turmhof erfahren.
Der Vorwurf der Heimatvereinigung Steckborn, der Stifterwille sei „von der Stiftung Turmhof in den letzten zehn Jahren konsequent missachtet“ worden, schmerzt deshalb nicht nur, er beginnt auch an der Freude am persönlichen Einsatz für die gute Sache zu nagen. Dass der Vorwurf und die hinterhältigen Worte von Rendite abliefern und Vermögensschwund ohne Gegenwert unberechtigt sind, zeigt klar die stete Überprüfung durch die Ostschweizer Stiftungsaufsicht. Jedes Jahr hat der Stiftungsrat dieser, wie es das Gesetz vorschreibt, Jahresbericht und Rechnung zur Genehmigung vorgelegt. Jedes Jahr hat die Stiftungsaufsicht die Genehmigung erteilt, obwohl ihr die Hetze der Heimatvereinigung nicht verborgen geblieben ist. Die Stiftungsaufsicht handelt neutral und unaufgeregt. Hoffen wir, dass ihre Ergebnisse allseits akzeptiert werden und den Blick nach vorne öffnen.“
Dr. iur. Philipp Stähelin, alt Ständerat
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„In der Stiftungsurkunde der Stiftung Turmhof ist unter dem Buchstaben B der Zweck formuliert. In Artikel 2 Absatz 1 ist festgeschrieben, dass die Stiftung Turmhof den Erwerb, die Instandstellung und den weitgehend eigenwirtschaftlichen Betrieb des Turmhofes und seiner Nachbarliegenschaften bezweckt.
Im konkreten Fall heisst dies, dass wir als Stiftungsräte bezüglich der weitgehenden Eigenwirtschaftlichkeit verpflichtet sind, die Räumlichkeiten zukünftig so zu bewirtschaften respektive zu vermieten, dass sich die Liegenschaften weitgehend selber finanzieren können. Wenn wir nun – wie von der Heimatvereinigung gefordert – für das Museum den ganzen Turmhof gratis zur Verfügung stellen würden, dann müssten wir zukünftig die restlichen Liegenschaften Stück für Stück verkaufen, um den Turmhof zu finanzieren. Eine weitere Möglichkeit wäre, wir setzten heute bei der Planung für die restlichen Räumlichkeiten unrealistisch hohe Preise ein, so dass wir diese Räumlichkeiten nie vermieten könnten. Wir haben im Vorschlag für die Räumlichkeiten des Museums explizit tiefe Mietpreise eingesetzt. Zudem hat der Stadtrat der Heimatvereinigung - bei der Zustimmung zu diesem Konzept - eine Überprüfung der heutigen Entschädigung in Aussicht gestellt. Wenn jedoch die Heimatvereinigung weiterhin eine Kooperation verhindert, werde ich mich zukünftig nicht mehr für den jährlichen Unterstützungs-Beitrag einsetzen.“
Roger Forrer, Stadtammann Steckborn
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„Seit Jahren verfolge ich aus der Ferne, was in meinem geliebten Heimatdorf Steckborn abgeht. Der schöne Turmhof, ein Wahrzeichen unseres Städtchens, wird immer mehr zum Symbol von Streit und Grabenkrieg. Im Thurgau, mittlerweile aber auch hier in St.Gallen, wird diese Auseinandersetzung mit Unverständnis zur Kenntnis genommen.
Das bewog mich, dem Stiftungsrat auf Anfrage hin gegen Ende des letzten Jahres beizutreten. Und zwar mit dem festen Ziel zu helfen. An meiner ersten Stiftungsratssitzung schlug ich deshalb vor, die zerstrittenen Parteien an einen Tisch zu setzen und mit diesen eine Aussprache zu führen. Zumal ich als Externer unverbraucht, unabhängig und neutral agieren konnte. Um den nun gegen mich vorgebrachten Vorwürfen der Parteilichkeit von Anfang an entgegentreten, verlangte ich an der besagten Stiftungsratssitzung zwei Abstimmungen. Nämlich das Gutheissen eines Runden Tisches sowie die Anerkennung meiner Person als unabhängiger Leiter des Runden Tisches. Im Nachhinein eine unabhängige Leitung und die Ergebnisse einer konstruktiven und lösungsorientierten Aussprache in Frage zu stellen, ist deshalb meines Erachtens nicht fair. Vor allem dann nicht, wenn man selber nicht dabei war.“
Dr. rer. publ. HSG Sven Bradke, Rorschacherberg

