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von Bernhard Eymann, 09.08.2011

USL Amriswil: Finanzloch gestopft

USL Amriswil: Finanzloch gestopft
Haben gut lachen, weil sie das Geld für eine weitere Saison im USL auftreiben konnten: Roger Bill, Marc Neuenschwander und Simon Kuster (v. l.). | © Bild: Bernhard Eymann.

Das USL ist eines der ersten Thurgauer Kulturlokale für Junge, die aus Eigeninitiative entstanden sind. Anfang Jahr drohte das Aus. Jetzt geht es weiter.

Bernhard Eymann

Vom Amriswiler Bahnhof zum USL fährt das Taxi für nur sechs Franken. Das Kulturlokal für junges Publikum, eines der ersten im Thurgau, liegt mitten im Gewerbegebiet. Er kennt es gut, ist selber oft Gast, erzählt der Taxichauffeur, der etwa Mitte fünfzig ist. «Auch in Amriswil braucht es etwas für die Jungen. Die kommen manchmal von weit weg, Zürich, St. Gallen, Basel.» Doch auch er hat von den Schwierigkeiten des Klubs gehört. Noch vor kurzem war unklar, ob es nach der Sommerpause überhaupt weitergeht. Doch es geht weiter.

20'000 Stunden Arbeit pro Jahr

Eine Tür führt vom Parkplatz zwischen Aldi, Bingo und Otto's in ein Gewerbehaus, in die grosszügige und klubmässig eingerichtete Halle. Eine Lounge zum Sitzen hinten, eine Bühne rechts und eine Mischanlage links. Es ist das Werk der ersten Generation von USL-Leuten wie Roger Bill, vor etwa acht Jahren von Hand ausgebaut. Seitdem steckt ein eigens gegründeter Verein Schweiss und Herzblut in den «Raum für Kunst und Kultur». 20'000 Stunden Freiwilligenarbeit kommen so pro Jahr zusammen.

SOS wirkt

Doch es braucht auch Geld. Davon kann Simon Kuster, Verantwortlicher für die Vereinsfinanzen, ein Lied singen. Die Finanzierung der nächsten Saison war Anfang Jahr gefährdet, es bestand akuter Handlungsbedarf. Eine Serie von vier SOS-Veranstaltungen, darunter ein Sponsorenlauf und Konzerte sollte die Schieflage richten. Der vierte Teil davon steht noch aus (siehe Hinweis). Doch Kuster ist erleichtert: bereits nach drei Veranstaltungen steht fest, dass das USL überleben kann.

Wegen Rauchverbot schwache Saison

Laut Marco Neuenschwander, verantwortlich für die Organisation verschiedener Events, war die letzte Saison schwach besucht. Dies hing teilweise mit dem neuen Rauchverbot zusammen. Auch die Bedürfnisse des Publikums verändern sich, stellt er fest. Angefangen hatte der öffentliche Betrieb damals mit einem Reggae-Konzert; es schlug «wie eine Bombe beim Publikum ein». Bald kamen Ska- und Rockmusik aufs Programm, es entstand ein kleines Mekka der alternativen Szene. «Nun ist diese Szene im Thurgau leider am sterben», so Neuenschwander. «Heute entsprechen Nummern wie 50 Cent und Halligalli-Parties dem Lifestyle der Jungen», meint auch Kuster.

Jugend von Grossdiscos weggelockt

Kommerzielle Discos locken so die jungen Leute aus den Kulturkellern. Den Betreibern des USL geht es hingegen nicht ums Geld im Party-Business, sondern um Kulturförderung. Theater und Poetry-Slam gehören zum Programm wie Jassabende oder das traditionelle Kerzenziehen zu Weihnachten. Genugtuung ist es trotzdem für das USL, wenn Künstler, die früher hier auftraten, Erfolg im Radio und an Festivals haben, unter anderem Nguru, My Name Is George oder das Pullup Orchestra.

Grosses kulturelles Loch möglich

Kuster ist überzeugt, dass ein grosses kulturelles Loch im Gebiet Seerücken und Oberthurgau entstehen würde, müsste das USL schliessen. Zusätzlich zu den Notveranstaltungen hat der Verein die Vergünstigungen für Mitglieder im Klub abgeschafft. Die 36 Vereinsmitglieder zahlen pro Jahr 480 Franken Beitrag, damit das USL weiter existieren kann. Seit kurzem darf jeder selber Veranstaltungen organisieren. «Wir suchen laufend neue Mitglieder, die uns unterstützen», so Kuster. Der Kanton Thurgau hilft mit 15'000 Franken jährlich mit, unter der Auflage, dass 12 Events mit Newcomer-Bands organisiert werden. Laut Kuster reicht dies aber in der Eventbranche bei weitem nicht aus. Nun führt er auch mit der Stadt Amriswil Gespräche um Unterstützung.

Komplimente für Thurgauer Kultur

Der Verein versucht, die Leute wieder vermehrt in den Klub zu locken. Mit etwa 100 bis 150 Personen pro Abend läuft es zurzeit gut, so Kuster. Was vermissen er und Neuenschwander abgesehen von weiterer finanzieller Unterstützung? «Anders als viele, die jammern, dass es im Thurgau keine Möglichkeiten gebe, Kultur zu machen, glaube ich, dass sehr viel läuft» meint Kuster. Auch Neuenschwander denkt, dass das Angebot gross ist und es für jeden etwas hat. Er vermisst allerhöchstens einen Comedy-Abend. Vielleicht organisiert er selber einmal einen im USL. Sicher keine unpassende Idee, scheint die traurige Zeit für das USL doch vorerst vorüber zu sein.

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