26.02.2016
Unvergessliches Erlebnis für zwei Laienchöre

Rund 6'000 aufmerksam lauschende und frenetisch applaudierende Zuhörer, sechs Konzertsäle vom über 600-jährigen Konzil bis zur legendären Zürcher Tonhalle, 50 professionelle Orchestermusiker aus der ganzen Welt, zwei Solisten und eine aus Russland stammende, energiegeladene und zugleich menschliche Dirigentin: Die sechs Neujahrskonzerte der Südwestdeutschen Philharmonie gesanglich mitzugestalten, war für die beiden Männerchöre Kreuzlingen und Ermatingen ein Feuerwerk von Eindrücken und ein unvergessliches Erlebnis.

Hans Lareida (Männerchor Ermatingen) übergibt Anna Skryleva eine 'Beute'
Dazu gehörte zum einen die Musik selber, ein buntes Programm aus Opern und Operetten, virtuos inszeniert durch Anna Skryleva, der aus Darmstadt angereisten Gastdirigentin. Zum anderen war der Blick hinter die Kulissen eines professionellen Musikbetriebs eindrucksvoll: Das wartende Baby der Solistin in der Künstlergarderobe, einem von weltweit fünf professionellen Zitherspielern beim Üben vor dem Konzert zuzuhören, der Aufbau des Orchesters vom Kontrabass bis zum riesigen Schlagzeug, der Humor und die Gelassenheit der Musiker, die sich nicht vom präzisen und konzentrierten Spiel abhielten liessen; und nicht zuletzt der Blick in eine Vielfalt von Konzertsälen: die ruhige moderne Architektur in Frickingen, das Labyrinth der mondänen Zeppelinhalle in Friedrichshafen, die frühere Molkerei in Radolfzell, die kühle aber grosszügige Stadthalle Singen, das akustisch etwas dürftige aber historisch bedeutende Konzil und schliesslich die festliche Umgebung der Zürcher Tonhalle mit über 1'500 bis auf den letzten Platz belegten Sitzen.

Solisten Mine Yücel und Steven Ebel, Dirigentin Anna Skryleva und Instrumentalisten
Der Kontakt zum Publikum, vor und nach dem Konzert und in der Pause, war nicht weniger bewegend, von persönlichen Gesprächen bis zu stehenden Ovationen nach den Konzerten. Beide Chöre, ergänzt um 10 Projektsänger, sind ihrem Dirigenten Claus Gunter Biegert ausgesprochen dankbar, dass er sie geduldig an dieses aussergewöhnliche Projekt herangeführt und es - bis zum Mitternachtstrunk nach getaner Arbeit im Adler, begleitet hat. (zvg)
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