von Rolf Müller, 07.06.2015
Openair zieht an die Murg

Das 6. Out in the Green Garden-Festival vom 31. Juli bis zum 2. August ist das Letzte im Botanischen Garten Frauenfeld. Ab 2016 spielt die Musik im Murg-Auen-Park. Johannes Eiholzer vom OK sagt wieso.
Klein und fein: Das vom Kulturverein KAFF veranstaltete Festival Out in the Green Garden hat sich von einem Alternativtipp zu einem fixen Anlass in der sommerlichen Kulturagenda gemausert. Der Standort im Botanischen Garten ist idyllisch und zentral. Das ist ein Vorteil, bringt aber bezüglich Lärmauswirkungen mitten in der Stadt auch Nachteile mit sich.
Weil es 2013 mit der Stadtverwaltung Differenzen gab, wann abends der Stecker zu ziehen sei, sagten es die Verantwortlichen ab. Letztes Jahr reagierten sie auf die Lärmproblematik nach dem Bühnenprogramm unter anderen mit einer sogenannten Silentparty – die Besucher stöpseln sich Kopfhörer ein und werden von einem DJ unterhalten. Rund 400 bis 500 Eintritte wurden täglich gezählt, das Line-Up ist regional bis international.
Neuer Standort, mehr Chancen
Nun kündigt das KAFF an, dass ihr Festival ab 2016 im neu angelegten Murg-Auen-Park stattfinden wird. „Dieser erlaubt mit der bereits vorhandenen Infrastruktur und dem grösseren Raum weitere Chancen“, heisst es in einer Medienmitteilung. Mit Johannes Eiholzer (24), OK-Mitglied und KAFF-Wirt, unterhielten wir uns über die Gründe des Umzugs.
"Streben in erster Linie qualitative Verbesserungen an": Johannes Eiholzer. (Bild: David Nägeli)
Das letzte Mal Botanischer Garten – weshalb?
Der Botanische Garten war und ist ein wunderbares Zuhause für unser Festival. Wegen der immer dichteren Bebauung um und wegen dem begrenzten Platz im Garten verspüren wir jedoch den Drang zu einer Veränderung. Der Murg-Auen-Park bietet neue Möglichkeiten, sowohl von der Form als auch von der Grösse des Festivals.
Das heisst, das Festival will wachsen?
Der Murg-Auen-Park bietet auf alle Fälle diese Möglichkeit. Wir werden aber wie bis anhin jedes Jahr unsere Kapazitäten einschätzen und ein Konzept ausarbeiten, welches unserer Vorstellung eines Kulturfestivals entspricht. In erster Linie streben wir qualitative Verbesserungen an.
Wie ist die Vereinbarung mit der Stadt zeitlich angelegt – mehrjährig, einmalig, auf Zusehen?
Im Murg-Auen-Park streben wir eine längerfristige Lösung an. Trotzdem werden wir jedes Jahr gemeinsam mit der Stadt ein neues Konzept erarbeiten.
Das Programm am Freitag
Auf zwei Bühnen spielen am Out in the Green Garden am Freitag die Lokalbands Franky Four Fingers, Addicthead und die Friedheimer Spatzen, abends die Schweizer Brass-Band Pullup Orchestra sowie die schwedischen Psychedelic-Rocker Siena Root. Begleitet wird das Programm von Singer-Songwritern, zum Ausklang gibt’s eine Kopfhörerparty DJs. (rom)
Auch dieses Jahr bietet das Festival ein spannendes Programm. Wer ist das Zielpublikum, wie alt ist es und woher kommt es?
Das Line-Up entspricht unserer farbigen Vorstellung von Kultur. Das spricht Menschen zwischen 16 und 60 an, vor allem aus dem Thurgau, aber auch darüber hinaus.
Und wieder kostet es trotz internationalem Programm keinen Eintritt. Wie geht das zusammen?
Wir möchten unser Kulturfestival möglichst vielen Personen zugänglich machen. Wie in den Vorjahren gibt es aber einen freiwilligen Richtpreis von zehn Franken. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Besucher derart begeistert sind, dass sie gerne freiwillig Eintritt spenden. Zudem konnten wir letztes Jahr sogar etwas zur Seite legen für das diesjährige Festival.
Das Programm am Samstag und Sonntag
Am Nationalfeiertag spielt Brain Damage meets Vibronics, eine Kollaboration zweier international bekannter Dub-Truppen aus Frankreich und England. Ausserdem am Samstag die Berliner Gipsy-Punk-Band Diving for Sunken Treasure, das New Yorker Ein-Frau-Electropop-Ensemble Heidemann und der chilenische Rapper Chiliscote. Am Sonntag wird ein kleines Familienprogramm zum Ausklingen des Festivals einladen, schreiben die Veranstalter. (rom)
Wie hoch ist denn das Budget?
70‘000 Franken. Das ist aber nur durch komplett ehrenamtliche Arbeit möglich. Rund 40 Helfer werden in den Wochen vor Festivalbeginn die ganze Infrastruktur aufbauen und während dem Festival von der Gastronomie über die Technik bis zur Koordination alle Arbeiten erledigen.
Was ist neu gegenüber den ersten fünf Veranstaltungen?
Wir haben das Musikprogramm ausgebaut und konnten auch etwas grössere, bekanntere Künstler für uns gewinnen.
Ihr persönlicher Konzerttipp?
Siena Root sind ein absoluter Geheimtipp aus der Psychedelic-Rock-Szene.
In einem Satz: Das Out in the Green Garden unterscheidet sich vom Openair Frauenfeld hauptsächlich durch…
… ein vielfältiges, liebevolles und kostengünstiges Kulturangebot.
***
Ruhig feiern dank Kopfhörer - Thurgauer Zeitung vom 4.8.2014
Park schlägt langsam Wurzeln - Thurgauer Zeitung vom 21.4.2015

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