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02.05.2017

Preis für Markus Brenner

Preis für Markus Brenner
Die Couch“ von Markus Brenner heisst das Siegerprojekt des Wettbewerbes „Entdeckung des Stadtraumes“, den die Kunstkommission der Stadt Kreuzlingen zum vierten Mal ausgeschrieben hat. | © Stadt Kreuzlingen

"Die Couch" von Markus Brenner heisst das Siegerprojekt des Wettbewerbes „Entdeckung des Stadtraumes", den die Kunstkommission der Stadt Kreuzlingen zum vierten Mal ausgeschrieben hat. Mit dem Bellevue Areal stand bei der aktuellen Wettbewerbsausschreibung ein historisch geprägter Stadtteil im Visier. 

Die sechsköpfige Jury wählte nach Angaben der Stadt Kreuzlingen in zwei Durchgängen von den insgesamt 28 Eingaben das Siegerprojekt und vergab einen zweiten und dritten Platz. Das Siegerprojekt "Die Couch" wurde von Markus Brenner aus Konstanz gestaltet. Markus Brenner konzentrierte sich auf die Geschichte des Ortes als ehemalige psychiatrische Heilanstalt und insbesondere auf die 45-jährige leitende Tätigkeit Ludwig Binswangers, der eine enge Freundschaft zu Siegmund Freud pflegte. "Mit seinem Entwurf bezieht sich Markus Brenner auf Siegmund Freuds Liegesofa", heisst es in einer Medienmitteilung. Freud gilt als Begründer der Psychoanalyse, der die Behandlung psychischer Krankheiten massgeblich veränderte.

Der Entwurf „Die Couch" zeigt eine Sitzbank mit integriertem Kissen aus schalglattem Beton mit den Massen 200 x 93 x 52 Zentimetern, das auf einem Fundament aus Kies und Magerbeton aufgestellt werden wird. Es wird sowohl am Tag als auch in der Nacht sichtbar sein. Am Abend wird das Liegesofa mit einem Lichtbild bestrahlt. Eine Lichtquelle projiziert das Bild eines Orientteppichs auf das Sofa und beleuchtet zusätzlich den Gehweg. Nebst Kissen zählt der Orientteppich zur typischen Ausstattung von Freuds Liegesofa. Mit Hilfe dieser einfachen Mittel soll eine Atmosphäre geschaffen werden, die ein offenes Sprechen über Tagträume, Erzählungen und sexuelle Fantasien begünstigt. Wer sich in der Nacht auf die Liege legt, wird Teil der Projektion und des Kunstwerks. Hingegen präsentiert sich „Die Couch" am Tag in einem nüchternen grau-weissen Farbton. Das Kissen weist einen leichten Kopfabdruck auf und mutet an, als habe gerade noch jemand dort gelegen und als gebe das aus Beton gefertigte Kissen auf Druck nach.

Am Tag sieht es anders aus als in der Nacht

 

Über die Materialität thematisiert der Künstler Gegensätze wie Härte und Weichheit, was eine gedankliche Verknüpfung zur Therapieform zulässt. Brenner hat sowohl für den Tag wie auch für die Nacht jeweils eine funktional und formal gelungene Situation geschaffen, die in ihrer Ausführung sehr durchdacht ist. Die Arbeit ist sowohl formalästhetisch als auch inhaltlich überzeugend. Das Projekt ist mit geringem technischem Aufwand realisierbar und einfach zu unterhalten. Der genaue Standort der „Couch" wird noch definiert und bekannt gegeben.

Für das Projekt stehen laut Medienmitteilung 20'000 Franken zur Verfügung (Ausführung, Material und Künstlerhonorar). Die Zweit- und Dritt-Klassierten erhalten ein Preisgeld von je 500 Franken. Die 28 zum Wettbewerb eingereichten Projekte werden öffentlich präsentiert am Freitag 12. Mai, 18 bis 20 Uhr, sowie am Samstag 13. Mai 11 bis 14 Uhr, im Saal des Begegnungszentrum das Trösch, Hauptstrasse 42 in Kreuzlingen.

Zum Wettbewerb

 Erstmals im Jahr 2008 lancierte die Kunstkommission der Stadt Kreuzlingen den Wettbewerb „Entdeckung des Stadtraumes" an der Weinstrasse. Die Jury entschied sich für die Arbeit von Gabriela Gründler und Salome Kuratli, Zürich, mit ihrem Projekt „Kommst du mit an den See. Im 2011 vergab die Kunstkommission den Preis an die Weinfelder Künstlerin Doris Naef. Mit ihrem Projekt „Astrokartographie" gestaltete sie den Gemeindeplatz im Quartier Egelshofen. 2014 entwickelten die Künstlerinnen Elisabeth Wegmann und Melanie Mock das Projekt "Grenzübertritt" an der Wiesenstrasse, welches jedoch leider wegen Vandalismus nur kurzzeitig real präsent war. Die Projektidee ist nun auf einer Präsentationstafel am Projektstandort aufgezeigt.

 

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