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von Katrin Zürcher, 25.01.2013

O Thurgau, du Sprachheimat

O Thurgau, du Sprachheimat
Der Ottenberg im Januar 2013 - hier lässt sich auch im Thurgauer Dialekt global denken und kommunizieren! | © Sabina Kurmann

Katrin Zürcher

“Und jedes Mol wenn i min Kanton verloh för en Kick, denn freu i mi zom zrugg cho an schönschte Ort vo de Schwiiz”, rappen die Egnacher “Reim Rammler” in der Hymne “Thurgau mini Heimat”. Der Thurgau ist schön, kein Zweifel, doch seine Sprache wird in der übrigen Schweiz wenig geschätzt. In Umfragen landen die Ostschweizer Dialekte regelmässig auf den hintersten Plätzen der Beliebtheitsskala. Ein Grund dafür könnte die Nähe zum von vielen Schweizern ungeliebten Hochdeutschen sein. Dass dies- und jenseits der Grenze Alemannisch gesprochen wird, dürfte dem Thurgau in einer zunehmend globalisierten Welt aber immer mehr zum Vorteil gereichen.

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Ein anderer Grund für die Unbeliebtheit der Ostschweizer Mundarten dürfte der seit jeher in den nationalen Medien vorherrschende Berner Dialektbrei sein, der bestenfalls mit einer Prise Zürichdeutsch gewürzt ist. Thurgauerinnen und Thurgauer kommen hier erst seit kurzem zu Wort. Da ist es kein Wunder, wenn sogar Einheimische den Thurgauer Dialekt am Radio als hässlich empfinden, wie gerade eine Umfrage der „Thurgauer Zeitung“ ergab. Immerhin eines der befragten Mädchen zeigte sich stolz auf seinen Thurgauer Dialekt und bezeichnete ihn als schönsten im Land.

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Dass Ostschweizer Dialekte durchaus ihre Qualitäten haben, beweisen auch die Poetry-Slammer: Kein anderer Landesteil bringt so viele herausragende Slammer hervor wie die Ostschweiz. Die Thurgauer Gabriel Vetter und Lara Stoll etwa oder der neue Schweizer Meister Renato Kaiser aus Goldach nutzen ihre Mundart für diese junge Sprachkunst. Vor Jahren sagte ein Sankt Galler im Schweizer Radio, er finde keinen Dialekt sei so sexy wie den Sanggaller. Das Beispiel zeigt, was vielen Thurgauerinnen und Thurgauern noch fehlt: Sprachselbstbewusstsein. Denn eine schöne, klare, unprätentiöse und leicht verständliche Mundart haben sie ja schon.

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