24.08.2017
Noch einmal Tschumys Auswahl

Vom 31. August bis zum 3. September läuft in Kreuzlingen und Umgebung die 11. Jazzmeile. Zum ersten Mal ergänzt ein Jazz-Food-Festival die Konzerte auf dem Boulevard.
Inka Grabowsky
„Die Idee, den Platz zwischen unseren drei Bühnen mit Imbiss-Ständen zu füllen, treibt uns schon länger um", erklärt der Festival-Mitbegründer Harry Tschumy. „Uns fehlte aber das Know-How. Jetzt habe ich Julian Rohlof als Experten für unseren Vorstand gewinnen können. Er hat im Rahmen seines Studiums schon ein Streetfood-Festival auf die Beine gestellt." 17 Foodtrucks mit internationalen Spezialitäten machen den Konzertbesuch in der Kreuzlinger Innenstadt am Freitag und Samstag nun noch attraktiver. Das Rahmenprogramm bietet zudem am frühen Samstag Abend den bekannten Oldtimer-Corso, den der ACS organisiert, und zuvor am Nachmittag das Treffen der Vespa-Freunde „Amici“, die zum ersten Mal vorbeikommen. Ausserdem hat der Ehrenpräsident des Trägervereins, der Jazzmusiker und Kunstmaler Kurt Lauer, eine Ausstellung im Trösch organisiert. 17 Künstler haben Bilder zum Thema Musik zur Verfügung gestellt.

Die „Jazzmeile" von Jacqueline Senn-Arber ist noch bis 10. September im Trösch zu sehen.
Für jeden etwas
Auf dem Programm mit dem Motto „Hier spielt die Musik" stehen Acappella, Blues, Dixie, Funk, Jazz, Pop, Rock ’n Roll, Salsa, Soul, Steel und Swing. Mit dem Namen „Jazzmeile" habe man etwas zu kämpfen, meint Tschumy: „Man assoziiert auf den 1. Blick etwas zu viel Jazz. Aber wenn man genauer hinschaut, erkennt die Vielseitigkeit des Programms. Anfangs, als zwölf Bands einfach am Strassenrand spielten, hatten wir vor allem Dixie. Wir hätten uns auch Dixiemeile nennen können. Aber auf die Dauer wäre nur ein Stil zu langweilig geworden. Jetzt haben wir in der Kernzeit am Freitag und Samstag auf dem Boulevard drei Zelte mit drei Bühnen und insgesamt dreissig Bands." Musiker auf der Stutz Bau-Bühne vor dem ceha bespielen das Party- und Tanz-Zelt. Im mittleren Zeit auf der Erni/Kensington-Bühne bei der TKB gibt es Jazz und Swing. Der dritte Schauplatz, die Premium Informatik-Stage bei der CS, ist Funk und Soul gewidmet. „Das hat sich bewährt, auch wenn es schade ist, dass sich die Zuhörer voneinander separieren und in Grüppchen aufteilen." Aus Prinzip vielfältig ist das Programm, das zum Auftakt am Donnerstag rund um Kreuzlingen und zum Abschluss am Sonntag in unterschiedlichen Lokalen am See abläuft. Die Musiker werden in enger Zusammenarbeit mit den Gastgebern ausgesucht. Nicht jedes Restaurant sei schliesslich für Rock 'n Roll geeignet, sagt der Programmleiter mit einem Grinsen. „Früher sind wir auf Restaurants zugegangen und haben gefragt, ob sie mitmachen wollen. Heute kommen die Gastronomen auf uns zu."
Wieder ein Stargast
Trotz solcher Erfolge ist das Festival kein Selbstläufer: „Auch wir haben zu kämpfen", so Tschumy. „Es wird immer schwieriger, Sponsorenbeiträge einzuwerben. Aber ohne Sponsoren gibt es keine Jazzmeile. So einfach ist das. Wenn man wenig Geld hat, macht man ein Amateurfestival. Hat man mehr Budget, kann man Profis engagieren. Wir liegen genau zwischen den beiden Extremen: Keine reinen Amateure, aber auch keine Top-Stars." So ganz stimmt das nicht mehr. Zum Zehn-Jahres-Jubiläum im vergangenen Jahr hatte sich die Jazzmeile mit Pepe Lienhardt einen Stargast gegönnt, der nicht nur auftrat, sondern auch das Band zur Eröffnung durchschnitt.
Harry Tschumy mit dem letztjährigen Stargast Pepe Lienhardt
„Stars bringen Glanz und Gloria", sagt Tschumy nicht ohne Selbstironie: „Danach kann man süchtig werden. Man will immer mehr davon." Deshalb gibt es auch dieses Jahr ein prominentes Zugpferd: Die Wahl fiel auf das Jazz- und Schlager Urgestein Bill Ramsey, der Samstag ab 22 Uhr gemeinsam mit dem Dani Felber Jazz-Quartett auf der Erni/Kensington-Bühne auftreten wird.
Dani Felber begleitet Bill Ramsey mit seinem Quartett. (Bild: Roland Kämpfer)
Neuer Programmdirektor gesucht
Seit elf Jahren ist Harry Tschumy für das Programm verantwortlich. „Natürlich gibt es Wunschkandidaten, die man schon immer mal engagieren wollte, die aber aus finanziellen oder terminlichen Gründen nicht kommen können. Umgekehrt bekommen wir viele Bewerbungen von Musikern, die wir nicht alle berücksichtigen können." Zwei Drittel der auftretenden Künstler sind alte Bekannte, ein Drittel Bands, die der Programmleiter zum ersten Mal engagiert. Trotz aller Neuerungen bleibt vieles beim Alten. „Das ist die Krux an der Geschichte", meint Tschumy. „Wenn ich es weitermache, wird sich nicht viel bewegen. Ich denke aber, es muss langsam einmal ein frischer Wind her", so der 57-Jährige. Er hat auch schon einen Nachfolger im Auge, will aber noch nichts öffentlich machen.
Eintritt
Um in den Genuss der Konzerte in den Zelten zu kommen, braucht man einen türkisfarbenen Button, der für 20 Franken im Vorverkauf oder vor Ort zu haben ist. Für 100 Franken Gönnerbeitrag bekommt man zwei Eintrittsberechtigungen. Noch besser kann man den Trägerverein unterstützen, wenn man ihm beitritt. Die derzeit 220 Mitglieder zahlen 50 Franken pro Jahr und bekommen dafür unter anderem den Eintrittsbutton ohne zusätzliche Kosten. Jugendliche bis 16 Jahre haben bei der Jazzmeile freien Eintritt.
Detailliertes Programm unter www.jazzmeile.ch.
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