25.02.2015
Neues im Kunstraum

Der Kunstraum Kreuzlingen zeigt vom 28. Februar bis 26. April eine Doppelausstellung: Grossformatige Aquarelle von Helmut Wenczel und im Tiefparterre eine multimediale Intervention von Angela Wüst.
Erstmals werden die acht grossformatigen Aquarelle, die Helmut Wenczel in den letzten Jahren gearbeitet hat, als Ensemble im Kunstraum Kreuzlingen gezeigt. Thematisch hat sich der Künstler aus Eschikofen im Jahr 2008 dem Weltall zugewandt, um fortan mit seinem Œuvre vollends den „Schwarz-Weiss-Sehern“ zugeordnet zu werden. Den Auftakt der Auseinandersetzung mit dem Nachthimmel machten Holzschnitte und Bleistiftzeichnungen
bekannter Gestirne, wobei Wenczel die plastische Möglichkeit entdeckte, die Unendlichkeit des Kosmos auf der Fläche darzustellen.
Lichtjahre, Strich für Strich
Sein untrügliches Gespür für Technik führte ihn dann zur Anfertigung von grossformatigen Aquarellen, die er mit feinstem Pinsel Strich für Strich erarbeitet und dabei sorgfältig die Aussparungen der weissen Farbe des Papiers als Gestirne frei hält. Wenn Helmut Wenczel die Lichtjahre in eine plastische Form bannt, scheint sich auf dem Papier die Zeit mit der räumlichen Unendlichkeit zu einem Kunstwerk zu verbinden.
Die Arbeit von Helmut Wenczel ist als work in progress zu verstehen; nicht selten übrigens verbringt er gar ein knappes Jahr mit der Erschaffung eines einzelnen Werkes. Weder als blosses Abbild noch als exakte Sternbilder sind seine Gestirne aufzufassen, sondern als Transpositionen der Vorstellung der Unendlichkeit des Alls aus der Imagination des Künstlers.

Auf dem Papier scheint sich die Zeit mit der räumlichen Unendlichkeit zu einem Kunstwerk zu verbinden: Werk von Helmut Wenczel. (Bilder: pd)

Visuelle wie physische Multiperspektivität: Angela Wüst.
Was die in Zürich lebende und ursprünglich in der Fotografie beheimatete Künstlerin Angela Wüst (*1986) mittels örtlichen Eingriffen dem statischen Raumgefüge beibringt, ist eine visuell wie physisch herausfordernde Multiperspektivität – die sie ferner auch dem daselbst Navigierenden abverlangt. Ihre multi medialen Experimente erkunden die Simultaneität von Raum, Licht, Abbild und Bewegung sowie deren manipulative Qualitäten und sind umtrieben von elementaren Fragen nach den formalen Bedingungen des Sichtbaren sowie unseren Wahrnehmungsmustern.
Im Gegenlicht kein Durchblick
Mit präzis gesetzter Unschärfe zwischen zweiter und dritter Dimension, analogem und digitalem Medium nähert sich die Künstlerin diesem Spannungsfeld auch in ihrer für das Tiefparterre im Kunstraum Kreuzlingen entwickelten Intervention. In der Auffassung von Räumlichkeit als einer unsteten, ephemeren Versuchsanordnung, basiert ihre raumgreifende Installation auf der Dekonstruktion der architektonischen Ordnung.
Multiple Expansionen ins Organische erfährt der fragmentierte Raum schliesslich durch Projektionen, die kontemplativ durch Baumkronen und über die Paneelen mäandern und deren behutsamem Gleiten sich unsere eigene Physis gerne anpasst… Doch Gegenlicht gibt keinen Durchblick frei. Wir bleiben zunächst im Dunkeln. (pd/rom)
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Konzert: 19.4.15, 16.00 Uhr:
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Der Griff nach den Sternen
Kunstraum-Soirée der Thurgauischen Kunstgesellschaft
Samstag, 21. März um 19.00 Uhr zur aktuellen Ausstellung. Musikalisches Nachtessen mit Day & Taxi, Jazz, Christoph Gallio.
Gastbeiträge von Gerhart Lehmann, Stiftung Sternwarte Kreuzlingen, und Jorrit Britschgi, Kurator der Ausstellung „Kosmos“ Museum Rietberg, Zürich.
Kostenbeteiligung: 100 Franken pro Person, Mitglieder 90 Franken
Anmeldung an: rita.conrad@greenmail.ch
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