von Dr. Glenna Sinning, 03.09.2013
Mord an Bord in Tägerwilen

Das Theater Tägerwilen bringt vom 12. bis 21. September ein flott und wendungsreich inszeniertes Stück von Agatha Christie auf die Bühne.
Glenna Sinning
Seit Februar 2013 probt das dreissigköpfige Ensemble des Theaters Tägerwilen unter der Regie von Michaela Bauer. Bauer sorgt mittels ihrer langjährigen und vielseitigen Erfahrungen für spannende und abwechslungsreiche Aufführungen, bei denen sich die Ereignisse überschlagen. Mord an Bord ist für sie ein faszinierendes Stück, dass alle Höhen und Tiefen der menschlichen Existenz – Liebe und Eifersucht, Geltungssucht und Eitelkeit, Habgier und Neid – auslotet. Dabei gibt es durchaus viel zu lachen, und sie ist sich sicher, dass das Ensemble mit Mord an Bord an den grossen Erfolg der Aufführung von „Der Fluch des Diamanten“ im vergangenen Jahr anknüpfen kann.
Einige Plagegeister
Hals über Kopf hat Linnet Ridgeway (gespielt von Glenna Sinning) – jung und schön, extravagant und als Erbin eines Imperiums unermesslich reich – Simon Doyle (Lukas Huber) geheiratet, und befindet sich nun an Bord des luxuriösen Nilkreuzfahrtschiffes Sheherazade auf dem Weg nach Assuan. Aber nicht nur das frisch getraute Ehepaar ist dort, sondern sehr zu ihrem Leidwesen auch dessen ehemalige Verlobte Jacqueline de Bellefort (Julia Leible), ebenso ehemals beste Freundin von Linnet.
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Und auch weitere Mitreisende entpuppen sich zunehmend als Plagegeister, gegen die sich die Hitze, die Krokodile und die ewig durstigen Moskitos als nachgerade angenehm bezeichnen lassen. Ihr Vermögensverwalter (Michael Thörner) treibt ein undurchsichtiges Spiel. Eine exaltierte Schriftstellerin mit ausgeprägtem Hang zum Drama und zur Erotik (Ruth Hättenschwiler), ein Klinikleiter (Thomas Kihm), dem das Klima nicht sonderlich zuträglich ist, ein nicht nur insgeheim dem Luxus und den Frauen zugetaner Kommunist (Mario Dabrock), der seinen Thesen endlich Taten folgen lassen will, eine verwöhnte amerikanische Juwelenliebhaberin (Brigitte Schläpfer) und ihre heiratswillige Nichte (Anja Felder) und dazwischen ein den Neuigkeiten stets hinterher hechtendes Reporterduo - viele Herrschaften versammeln sich auf der „Sheherazade”, einem Nildampfer mit souveränem Kapitän (Albert Spillmann) und amüsanter Mannschaft (Gerhard Beck, Sina und Jenny Brenner, Annette Günzler, Tina Häberlin, Thomas Lehmann, Jolanda Schär).
Wespennest von Intrigen
Es kommt, wie es kommen muss: ein Mord geschieht. Zahlreiche Mitreisende haben ein Motiv und noch mehr die Gelegenheit zum heimtückischen Mord aus dem Hinterhalt, aber manche haben auch stichhaltige Alibis, die die Suche nach dem wahren Täter als Ding der Unmöglichkeit erscheinen lassen. Doch zum Glück weilt der berühmte und pfiffige Hercule Poirot (Beat Steiner), seines Zeichens hochgelobter Detektiv, an Bord. Aber auch er kann nicht verhindern, dass weiterhin fleissig gemeuchelt und nach Kräften gestorben wird. Mit Hilfe seiner kleinen grauen Zellen und seines jungen Detektivkollegen aus der Schweiz (Urs Schilling) sticht er in ein Wespennest aus Intrigen, niedrigen Beweggründen und Tragödien und löst schliesslich mit Raffinesse und Bravour den komplizierten Fall.
Das Theaterstück Mord an Bord fusst auf dem 1937 entstandenen Kriminalroman von Agatha Christie, das sie selbst adaptierte und das 1944 im schottischen Dundee Premiere feierte.
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