04.07.2012
Kulis KulThurbetrachtung 32

Am Sonntagnachmittag habe ich die Ehre, Peter Bichsel bei einer Lesung auf einem Boot unterhalb des Rheinfalls den Regenschirm halten zu dürfen. Die Lesung findet auf Wasser statt, das aus unserem Territorium kam. Bichsel liest aus einer Kolumnensammlung, die in einem Verlag in Stuttgart erschienen ist. Besonders in Erinnerung wird mir die Geschichte über den Hafen von Bern bleiben, der nur in der Erinnerung eines älteren Mexikaners existiert. In diesem Hafen wird wohl im Frühling ein Schiff mit Kubanischen Zigaretten anlegen. „Warum, Herr Bichsel“, fragte ich ihn in der Pause“, ist das Buch in einem kleinen Verlag in Deutschland erschienen?“
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Der Meister der kurzen und knappen Erzählung schaut auf den Rhein hinaus und fragt zurück: „Sehen Sie hier irgendwo einen Verlag?“ Nachdenklich denke ich an den Huber-Verlag, der die Thurgauer Literatur und Kultur namhaft gefördert und geprägt hat, und der nur noch Vergangenheit ist. Die Verleihung des Kulturpreises an den ehemaligen Verleger macht den Verlust auch nicht erträglicher. Wo, so frage ich mich, werden später einmal meine Kolumnen verlegt werden? Etwa in Wladiwostok, wo die zweite Geschichte von Bichsel spielt?
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Am Abend sitze ich bedrückt vor dem Fernseher, die Frage nach dem verlorenen Huber-Verlag lässt mich nicht mehr los, so kann ich dem EM-Finale nicht wirklich folgen, erst als der Kommentator auf die Möglichkeit eines taktischen Fouls hinweist, also auf die Tatsache, dass man einen Gegner bewusst umhaut, um ihn am Durchkommen zu hindern, kommt mir der Gedanke, dass beim Kampf um den Huber-Verlag weder Regierung noch Investoren noch Kulturverantwortliche die Möglichkeit genutzt haben, mit einem taktischen Foul den Verkauf des Huber-Verlags zu verhindern. Die Verleihung des Kulturpreises an einen Verleger aus der Vergangenheit weckt nur noch eine ferne Sehnsucht, die derjenigen der Tabakverkäuferin gleicht, die am Hafen von Bern auf das Schiff mit Kubanischen Zigaretten wartet.
Kuli

