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06.09.2011

Kulis KulThurbetrachtung 11

Kulis KulThurbetrachtung 11
Im Schneckentempo sollen Menschen auf den EXPO-2027-Stegen rundum den Bodensee gehen können und geniessen. Das meint zumindest Kuli. | © pixelio.de

Als Mädchen erlebte meine über 80jährige Mutter die Landi 1939 in Zürich, sie schwamm unter der Seilbahn, die über den See führte und winkte den Leuten in den Kabinen zu. Am meisten Eindruck machte ihr an der Expo Lausanne das Tauchboot Mesoscaph. Weil ich damals zu klein war, durfte ich nicht mit, schwor mir jedoch, bei der nächsten Landesausstellung dabei zu sein.

Bei der Expo 2002 im Dreiseeenland war mir der Rummel zu gross, die Lust, stundenlang anzustehen für einen Eintritt auf irgendeiner Arteplage war mir bereits im Vorfeld vergangen. Einzig den grossen Kubus draussen im See, diesen Rostwürfel im Wasser, hätte ich gerne bei Sonnenuntergang gesehen.

Nun also eine neue Chance, es lockt eine Expo Bodensee/Ostschweiz direkt vor unserer Haustüre. Eine weitere Möglichkeit, Wasser ins rechte Licht zu rücken. Nach dem Zürichsee, dem Lac Léman, den westschweizer Seen ist nun der Bodensee an der Reihe. In Zürich schwebte man hoch über dem See, in Lausanne ging die Schweiz auf Tauchstation, im Dreiseenland stand das Publikum auf den Arteplages über dem Wasser. Und nun? Was anfangen mit dem schwäbischen Meer?

Nachhaltig soll unsere Expo sein, Rummelplätze will keiner. So schlage ich einen meditativen Rundgang um den See vor, ich stelle mir einen Steg vor, der durchs metertiefe Wasser führt. Einen Pilgerweg, der das Leben verlangsamt, es gäbe immer mal wieder einen Zugang vom Ufer aus, man könnte sich Zeit nehmen, um den See, das Wetter und die Weite zu spüren. Ab und an eine kleine Plattform, die zum Verweilen einlädt, gerade genug Platz, um sich hinzusetzen, um eine Lesung zu hören, ein kleines Konzert mitzuerleben, ein improvisiertes Theaterstück zu sehen. Alle paar Kilometer breite Treppenstufen, die aus dem Nichts hinaus ins Wasser führen, Platz zum Sitzen, Schauen, für Gespräche.

Das wäre eine Expo, die ich meinen Kindern wünsche.

Kuli

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  • Kulturpolitik
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