17.08.2012
Jeder sechste Preis aus dem Thurgau

Der Frauenfelder Dokumentarfilmer Friedrich Kappeler erhielt den Ostschweizer Radio- und Fernsehpreis. Die Übergabe fand im Cinema Luna statt.
Im Zentrum stand die Laudatio von Madeleine Hirsiger, ehemalige Filmredaktorin beim Schweizer Fernsehen SRF. Der Preis, der jährlich von der SRG Ostschweiz verliehen wird, ist mit 10‘000 Franken dotiert. «Seit 1952 ist der Ostschweizer Radio- und Fernsehpreis 46 Mal verliehen worden, und jeder sechste Preisträger kommt aus dem Thurgau», hielt Erich Niederer, Präsident der SRG Ostschweiz, in seiner Begrüssung der rund 80 Gäste im Cinema Luna fest. Der diesjährige Preisträger Friedrich Kappeler reiht sich ein zu anderen Thurgauerinnen und Thurgauern wie Dino Larese, Mona Vetsch oder Maria Dutli-Rutishauser.
Monika Knill: freudig gespannt
Gesamtwerk oder nicht? Wofür wurde der gut 60-jährige Friedrich Kappeler ausgezeichnet? Für sein Gesamtwerk? Für sein Lebenswerk? «Von einem Gesamtwerk zu sprechen und dafür die Auszeichnung zu verleihen, wäre sicherlich nicht richtig und auch gar nicht im Sinn von Friedrich Kappeler», sagte die Thurgauer Regierungspräsidentin Monika Knill in ihrem Grusswort als Vertreterin der Ostschweizer Kantone, die finanzielle Träger des Ostschweizer Radio- und Fernsehpreises sind. Er wolle noch mehr Filme machen und sie sei deshalb freudig gespannt auf weitere filmische Leckerbissen von ihm, so Monika Knill weiter.
Madeleine Hirsiger: nichts Abschliessendes
Die Laudatorin Madeleine Hirsiger ihrerseits formulierte es wie folgt: «Er wird, wie es so schön heisst, für sein Lebenswerk geehrt, obwohl er erst etwas über 60 Jahre alt ist.» Aber auch sie gab sich damit nicht zufrieden und fuhr weiter: «Er hat uns mit dem bisherigen Schaffen schon viel gesagt und er wird uns wohl noch einiges zu sagen haben. Dieser Preis von heute Abend soll ihn zu weiteren Taten inspirieren. Wir machen also nur einen Zwischenhalt, es ist nichts Abschliessendes.»
Arthur Oehler: für das Bisherige
Schliesslich nahm Arthur Oehler als Präsident der Programmkommission der SRG Ostschweiz den Faden auf und erklärte, dass der Preis für Friedrich Kappeler für sein «bisheriges Gesamtwerk» verliehen werde.
Mit Leib und Seele Dokumentarfilmer
Sowohl Monika Knill als auch Madeleine Hirsiger versuchten, den Menschen Friedrich Kappeler zu ergründen. Die Thurgauer Regierungspräsidentin verglich den Filmemacher mit dem kleinen, aber feinen Cinema Luna, in dem die Preisverleihung stattfand. Das Luna stehe etwas unscheinbar hinter dem Frauenfelder Bahnhof und nicht protzig im Stadtzentrum. Und das passe zum Preisträger, so Monika Knill, denn: «Friedrich Kappeler ist kein Mann der grossen Worte, keiner, der sich oder seine Filme grossspurig anpreist. Er lässt lieber seine Werke sprechen.» Madeleine Hirsiger bezeichnete ihn als Menschen, der mit Leib und Seele Dokumentarfilmer sei, weil er von Leuten fasziniert sei, weil er Menschen möge, weil er an ihren Geschichten interessiert sei und zuhören könne. Und zu seiner Arbeitsweise gehöre: sich Zeit lassen, keine Hetze, schauen und geschehen lassen. Und dennoch sei da seine Bestimmtheit in der Ruhe und als sein Markenzeichen bezeichnete sie seine Unaufgeregtheit.
Filme über Mani Matter, Adolf Dietrich und Gerhard Meier
In ihrer Laudatio machte Madeleine Hirsiger einen Streifzug durch das filmische Werk Friedrich Kappelers. Sie begann mit dem Dokumentarfilm «Der schöne Augenblick» aus dem Jahr 1986, mit dem er sich in der schweizerischen Filmszene bemerkbar gemacht habe. Sie spannte den Bogen bis zu seinem Hauptwerk, zu «Gerhard Meier – das Wolkenschattenboot» aus dem Jahr 2007. «Hier bringt der Filmer nochmals alles zum Gelingen, was in den vorhergehenden Werken schon meisterlich angelegt war», würdigte Hirsiger den Preisträger.
Sie erwähnte den 1991 entstandenen Film «Adolf Dietrich, Kunstmaler 1877-1957» und hielt fest: «Und wieder lässt Friedrich Kappeler den Leuten, seinen Hauptdarstellern, Zeit, ihre aufschlussreichen Geschichten zu erzählen. Gekonnt verwebt er diese mit den Bildern von Dietrich, so dass ein Fluss in den Film kommt, der einen mitreisst.»
Und schliesslich erwähnt Hirsiger auch Kappelers erfolgreichsten Film «Mani Matter, warum syt Dir so truurig?», den er im Jahr 2002 realisierte: «Mit seinem untrügerischen Gespür für rhythmischen Wechsel zwischen Statement und Originalaufnahme, gelingen dem Dokumentarfilmer diese magischen Momente, die uns ein so wohliges Gefühl geben, dass wir wünschen, der Film möge doch nie zu Ende gehen.» (pd)

