14.04.2026
Jahrtausende im Schlick: Pfahlbauer-Axt aus Steckborner Hafen geborgen

Eine Baggeraktion im Steckborner Hafenbecken hat einen archäologischen Schatz ans Licht gebracht: eine fast vollständige Steinzeitaxt, die rund 4800 Jahre im Seegrund überdauert hat. Seit kurzem ist sie im Museum für Archäologie in Frauenfeld zu besichtigen.
Als im Winter 2025/26 das Hafenbecken von Steckborn ausgebaggert werden musste – der tiefe Wasserstand und Schlickablagerungen hatten das Einwassern der Boote zunehmend erschwert –, stand die Archäologie vor einer heiklen Aufgabe. Genau an diesem Ort liegt nämlich die Pfahlbaufundstelle Turgi, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt ist.
Um die Baumassnahmen nicht zu verzögern, führte das Tauchteam des Amtes für Archäologie Thurgau im Frühjahr 2025 vorgängig eine Unterwassergrabung durch. Auf einer Fläche von 50 Quadratmetern legten die Fachleute Schichten frei, die aus Schlick, jungsteinzeitlichen Siedlungsresten und Seekreide bestanden. Dabei kamen Hauspfähle, Tierknochen, Steinwerkzeuge und Keramikscherben zum Vorschein.
Spitzenfund mit 4800-jähriger Geschichte
Das bedeutendste Objekt der Grabung war eine fast vollständige Fällaxt. Eine Radiokarbon-Datierung des hölzernen Griffs ergab ein Alter von knapp 4800 Jahren – das Werkzeug stammt damit aus der Jungsteinzeit.
Die Beilklinge besteht laut dem Amt für Archäologie aus einem sogenannten Prasinit, einem harten und zähen Gestein, das ursprünglich aus den Bündner Alpen stammt. Allerdings mussten die damaligen Bewohner dafür nicht das gesamte Alpenrheintal durchqueren: Solches Gesteinsmaterial findet sich auch in den eiszeitlichen Moränen im Raum Steckborn.
Für den Griff verwendeten die Pfahlbauer einen dünnen Eschenstamm – eine Holzart, die durch ihre Härte und Elastizität bestens als Werkzeuggriff geeignet ist und bis heute im Werkzeug- und Sportgerätebau geschätzt wird.
Vom Seegrund ins Schaufenster
Nach der Bergung wurde die Axt im Labor des Amtes für Archäologie restauriert und konserviert. Bereits jetzt – nur ein Jahr nach ihrer Entdeckung – ist sie im Museum für Archäologie in Frauenfeld öffentlich ausgestellt.
Die Fundstelle Steckborn-Turgi gehört zu den zahlreichen Pfahlbausiedlungen rund um den Untersee, die seit dem 19. Jahrhundert archäologisch erforscht werden. Bauvorhaben wie das Ausbaggern des Hafens stellen die Archäologie regelmässig vor die Herausforderung, innerhalb enger Zeitfenster wertvolle Zeugnisse der Vergangenheit zu sichern – bevor der Bagger übernimmt.
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