von Katrin Zürcher, 28.11.2012
Im Shop des Archäologie- und Naturmuseums heisst der Bestseller Steinzeit-Lolli

Der günstigste Artikel, den Urs Leuzinger und Barbara Richner im Shop des Archäologie- und Naturmuseums in Frauenfeld verkaufen, ist ein Steinzeit-Schleckstengel für 50 Rappen, der teuerste eine originalgetreue römische Panflöte aus Buchsbaumholz für 300 Franken. Beide Artikel finden begeisterte Abnehmer. Fast alle in der Preislage dazwischen auch.
KATRIN ZÜRCHER
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In einer Serie beleuchtet thurgaukultur.ch fortan Arbeitsplätze im Thurgauer Kulturbereich: Im Museumsshop, im Bistro, im Atelier der Künstlerin oder des Fotografen, im Vorführraum des KInos, an der Handdruckpresse, am Computer des modernen Verlags, am Pult des Schriftstellers, in der Galerie, in der Theatergarderobe, am Empfang der Musikschule... Anregungen nimmt redaktion@thurgaukultur.ch sehr gern entgegen! (red.)
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Der Rückweg von der Ausstellung in die Garderobe führt am Museumsshop vorbei. „Oma, darf ich einen Schleckstengel?“ fragt der kleine Bub an der Hand seiner Grossmutter. Die Süssigkeiten stehen neben anderen Souvenirs auf einem eigens dafür gebauten Möbel, dessen Höhe den Kindern eine gute Sicht aufs Angebot ermöglicht. „Ja, bitte, ich will auch einen“, bettelt sein Bruder, und kurz darauf haben beide einen als Stein verpackten Lolli in der Hand und strahlen glücklich. „Nachher müsst ihr die Zähne putzen“, mahnt Urs Leuzinger, „da ist Zucker drin.“ Er freut sich auch über den Steinzeit-Lolli, den Bestseller des Shops. Als Konservator des archäologischen Museums hat Leuzinger jährlich 3000 Franken zur Verfügung, um Produkte für das archäologische Sortiment des Shops einzukaufen. Für das Sortiment des Naturmuseums ist Barbara Richner zuständig.
Der Geruch der Steinzeit
Jedes der beiden Museen bietet im gemeinsamen Shop rund hundert Postkarten an, etwa zwanzig Bücher über Themen der Dauer- und Sonderausstellung sowie zwei, drei Dutzend sogenannte Gadgets. Das sind verspielte Mitbringsel wie ein Taschenspiegel, dessen Vorderseite pompejianische Wandmalerei ziert, oder eine mit Wachs gefüllte hölzerne Schreibtafel mit Metallgriffel - zum Schreiben und Radieren nach Römerart. Urs Leuzingers Lieblingsprodukt ist ein braunes Lederbeutelchen für 45 Franken, gefüllt mit einem Pyrit - auch Katzengold genannt, einem Feuerstein und einigen Zunderschwämmen. Er schlägt die beiden Steine aneinander, bis Funken stieben und auf den Zunderschwamm fallen. Es riecht nach Metall und Feuer. „Das ist der Geruch der Steinzeit“, sagt Urs Leuzinger, der das dieses Feuerschlagen auch gern bei Klassenführungen demonstriert.
Der Lindauer ist ein Ladenhüter
Die neuste Errungenschaft im archäologischen Teil des Shops sind Pfeilspitzen aus Afghanistan. Sie sind aus einem Material gefertigt, das in unseren Breitengraden nicht vorkommt. „Deshalb ist ihr Verkauf hier vertretbar“, sagt der Archäologe. „Sollten sie später einmal als Fund auftauchen, wissen wir, dass sie nicht echt sein können.“ Aus dem gleichen Grund tragen die zum Verkauf angebotenen Münzen kleine Stempel, die sie als Nachbildungen ausweisen. Der Lindauer ist so eine Münze: Ein silberner Pfennig mit geprägtem Lindenzweig und drei Blättern, der zwischen 1295 und 1335 in Lindau am Bodensee als Zahlungsmittel diente. Obwohl die Nachbildung genau wie das Original aus Feinsilber gefertigt ist und nur fünf Franken kostet, wird sie kaum gekauft. „Der Lindauer ist leider ein Ladenhüter“, sagt Urs Leuzinger. Die billig gemachte römische Münze daneben, die auch vier Franken koste, gehe dafür sehr gut weg. „Wir verstehen das nicht.“
Shop und Café werden erwartet
Das archäologische Museum verkauft seit seiner Eröffnung 1996 Souvenirs. Anfangs waren die wenigen Artikel in einer Glasvitrine bei der Kasse ausgestellt. Seither wurden das Angebot stetig ausgeweitet und die Präsentation verändert, was den Umsatz steigen liess. Die meisten Artikel können heute direkt in die Hand genommen werden. Museumsshops seien Trend, sagt Urs Leuzinger, ein Shop und ein Café würden heute erwartet. „Im Ausland müssen sich immer mehr Museen über ihre Shops finanzieren.“ Im Archäologiemuseum werde der Eigenfinanzierungsgrad dank des Ladens leicht erhöht, der Anteil liege aber unter zehn Prozent. Während der Eintritt ins Archäologie- und Naturmuseum gratis ist, kauft rund die Hälfte aller Museumsbesucherinnen und -besucher am Schluss noch etwas. Daniela Tanner von der Besucherinformation sagt: „Die Leute freuen sich, wenn sie nach einem gelungenen Museumsbesuch etwas mit nach Hause nehmen können. Oder sie kaufen ein Geschenk.“
Spezielle Thurgauer Artikel
Die teuersten Artikel des Museumsladens sind nach wie vor unter Glas direkt bei der Kasse untergebracht. Dazu gehört die exakte Kopie einer römischen Panflöte, die in Eschenz ausgegraben wurde. Urs Leuzinger holt sein persönliches Exemplar der aus Buchsbaumholz geschnitzten Flöte und spielt darauf. „Wir haben diese Flöte nachbilden lassen, weil wir wissen wollten, wie sie tönt“, erklärt der Archäologe. Nun verkaufe er etwa ein Exemplar pro Jahr an Liebhaber in Musikschulen oder an den Flötisten Urban Frey. Das Sortiment des Ladens sei einem ständigen Wandel unterworfen. Passend zur aktuellen Sonderausstellung über Schlaginstrumente werden gerade Musikinstrumente wie Rasseln, Nasenflöten, kleine Trommeln und Regenrohre angeboten. „Wir versuchen einen Mix zu finden aus günstigen Mitbringseln, die es in vielen Museumsshops zu kaufen gibt, und speziellen, auf den Thurgau bezogenen Artikeln, die es nur hier gibt.“
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Museum für Archäologie und Naturmuseum Thurgau mit gemeinsamem Shop, Freie Strasse 24/26, Frauenfeld.

