Seite vorlesen

von Kathrin Spycher, 06.05.2009

Hilfe, ist das Kunst?

Hilfe, ist das Kunst?
«Im Verständnis von Kunst und Musik hängt man am Überkommenen.» Peter Gross | © pd

Mit vier Veranstaltungen beleuchtet die Thurgauische Kunstgesellschaft zu ihrem 75-Jahr-Jubiläum aktuelle Themen der zeitgenössischen Kunst und Architektur. Am Freitag, 15. Mai, hält Peter Gross, St. Galler Soziologe, in Bischofszell ein Impulsreferat zum Thema.

Kathrin Spycher

thurgaukultur.ch: Herr Gross, es geht in Ihrem Impulsreferat «Hilfe, ist das Kunst?» um den Umgang mit Kunst heute. Welche Aspekte sprechen Sie an?

Peter Gross: Wir leben in einer Kunstflut. In den Medien und auf der Strasse. Sind die Kreiselinseln Kunst? Warum ist der in Formaldehyd eingelegte Hai von Damien Hirst Kunst? Und was ist an Roman Signers Schiessübungen Kunst? Ich versuche, eine Spur zu legen.

Sie waren 1972 bis 1980 Thurgauer Kantonsrat. Welches Bild haben Sie von der Kultur im Thurgau?

Ich war immer angetan von der thurgauischen Kunstszene. Der Tradition der Naiven von Dietrich bis Bernhardsgrütter. Die gut gehüteten Schlösser und Gärten von Arenenberg bis zur Kartause Ittingen.

Was ist im Umgang mit Kunst in der Kleinräumigkeit, innerhalb randständiger Kantone (z. B. Thurgau), aus Ihrer Sicht als Kultursoziologe zentral?

Der Rückstand in der Deutung moderner Kunst und zeitgenössischer Musik. In den Unternehmen ist die Innovationskraft, überhaupt das Neue zentral. Im Verständnis von Kunst und Musik hängt man am Überkommenen. An im weitesten Sinne gegenständlicher - überkommener Malerei. In der Musik an Telemann, Mozart usw.

Ihre (derzeit unverzichtbare) (Bett-)Lektüre ...?

Gerhard Meier: «Ob die Granatbäume blühen». Grosse Literatur. Rührend. Herzerweichend.

Welche Kulturveranstaltung werden Sie auf keinen Fall verpassen?

Die vom 15. Mai 2009 in Bischofszell, wo ich selber auftrete. Ich bin gespannt. Aber Spass beiseite. Eine Überblicksveranstaltung über zeitgenössisches Bauen im Thurgau würde ich mir wünschen. Wenn es sie gäbe! Die Ausstellung «Ich sammle, also bin ich». Schloss Frauenfeld. Bis 18.10.2009 will ich noch besuchen. Mit Kindern und Enkelkindern.

Kommt vor in diesen Ressorts

  • Kunst

Kommt vor in diesen Interessen

  • Interview
  • Bildende Künste

Werbung

Gesucht per Herbst 2026: Geschäftsführung 20-30%

Das GENERATIONS steht für aktuellen Jazz, internationale Vernetzung und die nachhaltige Förderung junger Musiker.

Programmleiter:in (30%)

Das Literaturhaus Thurgau am Seerhein in Gottlieben sucht per 1. Januar 2027 eine verantwortliche Person für die Programmleitung. Bewerbung: bis 30. September 2026.

Ähnliche Beiträge

Kunst

Diese entsetzliche Lücke

Licht, Architektur, Gesellschaft: Asi Föcker und Anne Gathmann legen im Shed des Eisenwerks rätselhaft-kunstvolle Spuren zur Deutung unserer Zeit. mehr

Kunst

Ein Maler wie kaum ein anderer

Ein Zufall sorgte vor über 50 Jahren dafür, dass Willi Oertig Künstler wurde. Seine Werke waren so beliebt, dass er seine Familie davon ernähren konnte. Nun ist er im Alter von 79 Jahren gestorben. mehr

Bühne

Musik

Kunst

Kulturpolitik

Mehr Struktur, mehr Programm: Wie sich das Eisenwerk professionalisiert

Mit dem sanierten Saal wächst das Frauenfelder Kulturhaus: Bis zu 600 Gäste sind nun möglich, zugleich steigen die Anforderungen. Das Ehrenamt soll trotzdem zentral bleiben im Betrieb. mehr

Werbung

Werbung