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von Daniel Badraun, 30.07.2012

Helvetia Mystik Show - Oliver Kühn geht in die Berge

Helvetia Mystik Show - Oliver Kühn geht in die Berge
Oliver Kühn vom "Theater Jetzt" aus Sirnach sowie Franziska Hoby und Stéphane Fratini von der "Compagnie Buff Papier" wurden von Pontresina Tourismus für einen Teil der Sommersaison engagiert. | © Daniel Badraun

Haben Sie sich auch schon gefragt, wie Theaterleute ihren Urlaub verbringen? Sie verlegen ihre Bühne wie der Thurgauer Schauspieler Oliver Kühn einfach in eine Ferienregion. Nachdem er im südlichen Puschlav auf einem Bahnhof spielte, zieht es ihn nun hoch hinaus.

Daniel Badraun

Schauplatz: Die Kellerräume unter dem altehrwürdigen Hotel Kronenhof in Pontresina. Das Haus ist eine der besten Adressen im Engadin. Der Himmel wolkenverhangen, ein kühler und unfreundlicher Abend. Man steht an der Bar im mit alten Sportgeräten und Weinfässern bestückten Raum. Ein Kellner mit welschem Akzent wetzt herum, führt die anwesenden Damen hilfsbereit zu den Toiletten, damit sie in den weitläufigen Gängen des Grand Hotels nicht verloren gehen. Ein älterer Herr in verschlissener Kleidung geht mit schleppenden Schritten herum, holt sich ein Glas Rotwein bei der Bedienung, spricht einige Anwesende mit schwerer Zunge an.

Mit einer Kiste durch die Schweizer Sagenwelt

Langsam füllt sich der Theaterraum, auf der Bühne unter alten Kronleuchtern steht eine grosse Kiste mit einer Türe. Der Kellner stellt sich als Frédéric vor, der ältere Herr in der abgewetzten Jacke ist Max. Sofort verwickeln sie das Publikum in die Geschichte von Aratsch aus Pontresina, der in die Fremde zieht, um als gemachter Mann zurückzukehren und seine Liebste zu heiraten. Die Kiste wird gedreht, Ottilia, die dritte Schauspielerin betritt die Bühne, übernimmt den weiblichen Part der Annetta, die leider jung verstorben ist. Mit viel Witz und Situationskomik wird die Sage vorwärtsgetrieben und von einer nächsten Geschichte abgelöst, die ständig drehende Kiste ist einmal ein Schloss, dann ein Berg und ein Altar, später ein Automat, bei dem man für zwei Franken das Wundermittel des Paracelsus beziehen kann. Schnell haben die drei Schauspieler das Publikum gefangen und führen es durch die Schweizer Sagenwelt vom Glarnerland bis an den Bodensee bei Kreuzlingen, wo ein besonders schrecklicher Bube sein Unwesen treibt.

Thurgauer Projekt alpentauglich gemacht

Oliver Kühn vom "Theater Jetzt" aus Sirnach sowie Franziska Hoby und Stéphane Fratini von der "Compagnie Buff Papier" arbeiteten schon im Jahr 2003 beim Projekt "Sagenhafter Zug" zusammen, bei dem in einem Güterwagen auf der Seelinie Thurgauer Sagen erzählt wurden. Die "Helvetia Mystik Show" entstand 2010 und wurde speziell für Pontresina alpentauglich angepasst. Bis Ende August wird im Keller weiterhin erzählt und gefoltert. Max kämpft mit seiner schweren Zunge und seinem Gleichgewicht, die schöne Ottilie wartet auf dem Grund einer Gletscherspalte im Morteratschgletscher auf einen Kuss, der sie befreien könnte und der liebenswerte Frédéric wird mit dem Publikum flirten, was das Zeug hält.

Ganz zum Schluss verraten die drei Schauspieler dem Publikum, was im berühmten Buch von Paracelsus wirklich steht und verkaufen dem begeisterten Publikum eine Wundertüte, deren Inhalt zur wahren Erleuchtung auch zu Hause führen kann. Der Berichterstatter ist nicht ganz sicher, ob die anwesende Thurgauer Nationalrätin ebenfalls eine solche Wundertüte mitgenommen hat.

Kommt vor in diesen Interessen

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