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von Katrin Zürcher, 07.06.2016

Frauenfelds geflügelter Gast

Frauenfelds geflügelter Gast
Was verbirgt sich wohl im Bauch des trojanischen Pegasus? - Zürcher Studentenkunst in Frauenfeld. | © Katrin Zürcher

Katrin Zürcher

Unweit des plätschernden Brunnens beim Pavillon im Murg-Auen-Park steht seit dem 2. Juni ein dreieinhalb Meter grosses geflügeltes Holzpferd. Die Stadt Frauenfeld schreibt in ihrer Medienmitteilung, dass es sich dabei um einen „Trojanischen Pegasus“ handle, der hier bis zum 13. Juni Halt und den Park „in diesem Sommer zum kulturellen Zentrum“ mache. So einfach und günstig kann es sein, ein kulturelles Zentrum zu errichten. Da können sich Expo-Planer und Kunstmuseums-Erweiterer ein Beispiel daran nehmen.


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Der Pegasus der griechischen Mythologie schlägt mit seinen Hufen zwei Brunnen, wovon einer die Musen labt. Schlag zu, Frauenfelder Pegasus, möchte man dem Ross zurufen, auch Frauenfeld kann neben dem einen profanen Brunnen noch eine Musenquelle brauchen! Doch vermutlich verfügt ein trojanischer Pegasus nicht über solche Zauberkräfte.


Was sich wohl in seinem Bauch verbirgt? Da er von der Hochschule der Künste in Zürich kommt, könnten es Zürcher Künstler sein, die den Thurgau erobern wollen. Späht man durch eines der 16 Gucklöcher im Pferdebauch, sieht man tatsächlich kleine Menschen. Sie sind eingebettet in eine Zauberwelt aus seltsamen Figuren, bunten Pfauenfedern, fahrenden Trams. Und über allem erklingt unkoordinierter Lärm. Ist es Kriegsgeheul, vermischt mit Fanfarenklängen? Und warum befinden sich plötzlich die Menschen, die den Pegasus draussen anschauen, im Kleinformat auch in seinem Bauch drin? Ist das ein spirituelles Rausch-Erlebnis oder liegt es an der Kamera im Pferdeknie?


Der Blick durch ein Guckloch erschliesst die Zauberwelt im Innern des Pferdebauchs. Bild: Katrin Zürcher


Erleuchtung versprechen die beiden Informationstafeln neben dem Ross. Demnach hat der Pegasus etwas mit Schweizer Freilichtaufführungen zu tun, mit Forschung und Kunst und lebendigem Schweizer Brauchtum. Doch so ganz befriedigt sie nicht, die Erklärung, der Pegasus stelle das Resultat einer Untersuchung von 20 Freilichtaufführungen in der Schweiz dar (aus dem Thurgau ist wohlgemerkt keine dabei). Doch das ist vermutlich von den Zürcher Künstlerinnen so gewollt. Denn die Stärke zeitgenössischer Kunst liegt mehr im Fragenstellen als im Antwortenliefern.


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So gesehen ist der trojanische Pegasus ein wunderbares Geschenk, das die Frauenfelder dankbar entgegennehmen sollten. Vermutlich haben die Trojaner Ähnliches gedacht, als sie das griechische Holzross in ihren Stall führten.

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