31.05.2011
DREI FRAGEN AN ...

... Kathrin Spycher über ihre Tätigkeit als Geschäftsführerin von thurgaukultur.ch, die sie mit jener einer Gartenkreuzspinne vergleicht - und über die Herausforderung des Fliegenfangens. Per 1. Juni führt die Weinfelderin Simone Hotz-Zwissler ihre Arbeit weiter.
Kathrin Spycher, 30 Monate thurgaukultur.ch - was bedeutet dieser kurze Lebensabschnitt für Sie persönlich und für die Kultur im Thurgau?
Kathrin Spycher: Persönlich: Ein Abschnitt, der eben nicht nur Schnitt war, sondern auch Netz, mit Kontakten über Kontakten, die teils virtuell blieben - teils überraschend bedeutsam und freundschaftlich wurden. Der Thurgau hat eine kleine reiche Kulturszene. Diese auf einen Blick in Teilen sichtbar werden zu lassen, gelingt nicht vielen Kantonen. Wunderbar, dass ein solches Kulturförderungsprojekt im Thurgau möglich ist!
Eine Internetplattform aufzubauen scheint angesichts der Sintflut von Homepages im world wide web ein Kinderspiel zu sein. War es das auch in Ihrem Fall? Wenn nicht, wo lagen die besonderen Herausforderungen?
Kathrin Spycher: Die Gartenkreuzspinne produziert mit sieben Spinndrüsen sieben verschiedene Fadensorten und baut instinktiv ihr Radnetz. thurgaukultur.ch hat auch ein paar erste Fäden gezogen, das war fast ein Kinderspiel. Die Herausforderung war, damit auch Fliegen zu fangen.
Die Frage ist billig, aber lassen sich Bilanz und Ausblick formulieren?
Kathrin Spycher: In Zahlen, erfreulich: eine knappe Verdoppelung der Besucherzahlen 2010-2011 zum Vergleichszeitraum 2009-2010 von 3000 monatlich auf 6000. Gefühlt und ausgesprochen, positiv: zufriedene, teils sogar euphorische Reaktionen von Veranstaltern und Kulturschaffenden, Inhalt und Service betreffend. - Es wird Zeit brauchen, bis ein richtig schönes Trichter- oder Baldachinnetz steht, auch wenn es klein und fein bleiben wird. Ich wünsche dem grossartigen Projekt, dass die Seide nicht auf halbem Weg ausgeht! (ho)
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Kathrin Spycher
1974 in Pfäffikon/ZH geboren, aufgewachsen in Frauenfeld, 1995 Lehrerpatent und anschliessend 9 Jahre Gesamtschullehrerin in Wäldi, 2004 bis 2007 Studium an Schule für Angewandte Linguistik in Zürich (Diplom Journalismus), als Redaktorin beim Tagblatt und der Thurgauer Zeitung, seit 2006 selbstständig im Bereich Kommunikation. Zukunft: BsC (Bachelor of Science) in Pflege an der FHSG.
Simone Hotz-Zwissler
Die Weinfelderin Simone Hotz-Zwissler ist gelernte Buchhändlerin und Bibliothekarin und hat 2010 eine Weiterbildung in Information Science mit einem Master of Advanced Studies (MAS IS) an der HTW Chur abgeschlossen. Von 2002 bis 2008 leitete sie die Kantonsschul-Mediothek in Romanshorn und arbeitete bis 2010 als Informationsspezialistin im Informationsdienst der ETH-Bibliothek in Zürich.
thurgaukultur.ch
thurgaukultur.ch wurde 2009 vom Kanton Thurgau und der Kulturstiftung initiiert. Kulturförderung ist ein Hauptanliegen des Pilotprojekts. Die Kulturplattform bietet ein Online-Magazin, eine Veranstaltungsagenda und ist mit einem kostengünstigen Sitzplatzreservationssystem Service-Partner für Thurgauer Veranstalter und Kulturschaffende. Über 200 Veranstalter erfassen über die Plattform ihre Daten, die in Zusammenarbeit mit Ostevent.ch, dem Kultur-Magazin «Saiten», der «Thurgauer Zeitung» und der «Tagblatt»-Wochenagenda auch in den entsprechenden Publikationen zu finden sind.
Die thurgau kultur ag wurde im Herbst 2008 gegründet. Aktionäre sind der Kanton Thurgau und die Kulturstiftung. Gegenüber Kanton und Lotteriefonds erfüllt die thurgau kultur ag einen Leistungsauftrag und betreibt unter www.thurgaukultur.ch ein Veranstaltungsagenda und Kulturmagazin. Verwaltungsräte sind Humbert Entress (Präsident) und René Munz.

