19.09.2016
Die Kunst der Stunde

Letzte Aktionen im Programmkino Scala in Konstanz: Zusammen mit Schweizer Künstlern feiert der Musiker Alex Behning am 7. Oktober sein neues Album „Trickster und Propheten" und zeigt die Show „Kunst der Stunde" gegen die kulturelle „Verödung der Innenstädte". Zuvor, am 28. September, zeigt Dokumentarfilmregisseur Douglas Wolfsperger seinen Film „Wiedersehen mit Brundibar" und wird in einem Filmgespräch befragt. Wolfsperger plant einen Dokumentarfilm über das Scala. Dass er dafür nicht im Kino filmen darf, thematisiert aktuell der Konstanzer „Südkurier".
Ein weiteres Mal müsse Kultur dem Kommerz weichen, schreibt Alex Behning in der Einladung zur „Kunst der Stunde" am 7. Oktober, 20 Uhr. Dann nämlich wird der Konstanzer Blues-Folk Musiker zur Feier seiner neuen CD „Trickster und Propheten" unter anderem zusammen mit den Schweizern Daniel Thürler, der Gruppe Molton und dem Schweizer Circus Royal an die per Ende Jahr anstehende Schliessung des traditionsreichen Programmkinos Scala in der Konstanzer Innenstadt erinnern.
Genug kreative Power
„Der Kampf um das Traditions-Kino ist zwar verloren, aber es gibt genug kreative Power, sich gegen die kulturelle Verödung unserer Städte zu wehren." Gezeigt wird am 7. Oktober im Scala eine Stunde lang eine „buntflimmernde Projektion der unterschiedlichen Kunstformen". Künfitg müssten sich Künstler bestmöglich vernetzen und sich in den Innenstädten zeigen, damit diese kulturell nicht weiter verdursteten.
Alex Behnings neue CD gefällt. „Gutes aus Konstanz", schreibt Michael Lünstroth, der künftige Redaktionsleiter von thurgaukultur.ch auf Facebook."Trickster und Propheten" sei ein wunderbares Album. Er möge die Songs, das aufwändig gestaltete Cover und die ausgefeilten Texte. Das Album gewinne Lied um Lied an Tiefe, Echtheit und Berührungspotenzial. In der zweiten Hälfte sei der Musiker ganz bei sich und dem, was er eigentlich machen wolle. Das sei berührend.
Filmgespräch und Drehverbot
Noch vor der „Kunst der Stunde" macht am 28. September (20 Uhr) Douglas Wolfsperger im Scala seine „persönlich letzte Veranstaltung" und zeigt den Film „Wiedersehen mit Brundibar". Ein Filgespräch mit Ruth Frenk wird wohl ebenfalls die Schliessung des Kinos zum Thema haben. Denn Wolfsperger plant einen Dokumentarfilm, der sich mit der Vergangenheit dieser Film-Institution befasst. Das Scala war auch für die Schweizer Arthouse-Liebhaber ein wichtiger Treffpunkt; der Dokumentarfilm wird deshalb finanziell vom Kanton Thurgau und der Stadt Kreuzlingen unterstützt.
Aktuell berichtet der „Südkurier" von Schwierigkeiten mit dem Dokumentarfilmprojekt. In einem Interview erzählt der Filmemacher, dass er nicht im Kino selber drehen könne und nun zum Beispiel mit der Schauspielerin Eva Mattes (vom „Tatort" bekannt) nach Radolfzell ausweichen müsse. Dabei werde natürlich auch erklärt werden, warum sie ihre Geschichte nicht am Original-Schauplatz erzählen könne. (ho)
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Berichte zum Scala auf thurgaukultur.ch
Projekt Scala: „Jetzt erst recht!"
20'000 Franken für Scala-Projekt
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