von Alex Bänninger, 23.03.2013
Das Romanshorner "Roxy": nomen est omen

Mit Vorstellungen für die Mitglieder des Trägervereins, für Geldgeber und Gäste und schliesslich fürs Publikum ist das neue "Roxy" in Romanshorn eröffnet worden. Die 1920 am gleichen Ort begonnene Kinogeschichte erhält ein weiteres Kapitel, frisch gestrichen, bequem bestuhlt und digital.
Alex Bänninger
Das geräumige Foyer und der Saal mit 150 roten Plätzen und einer Bar strahlen im neuen Glanz. Nostalgisch wirkt nur der Vorhang. Es braucht ihn nicht. Die Kinos übernahmen ihn in ihrer Gründerzeit fraglos von den Theatern, die den rumpeligen und stimmungslähmenden Bühnenumbau versteckt erledigen wollten. Und doch ergibt der "Roxy"-Vorhang einen Sinn. Denn es rumorte ein bisschen beim Wechsel von den früheren Verantwortlichen zum "Verein Feines Kino". Der Vorhang trennt symbolisch die Zeit der Wirren von der Zukunft in Minne. Die Zäsur spiegelt sich auch in der Namensänderung: das "Modern" heisst jetzt "Roxy".
Erinnerung an New York
Das erinnert so selbstbewusst wie mutmachend an die "Kathedrale des Films", ans legendäre, 1926 erbaute "Roxy" in New York mit 6.000 Plätzen, der besten Projektion und dem höflichsten Personal. Technisch jedenfalls und mit dem Willen, das Publikum wie Könige zu behandeln, hält Romanshorn spielend mit. Nomen est omen.
Programmatisch ist auch der sehr grosse Abstand zwischen der vordersten Sitzreihe und der Leinwand. Die in den Kinos berüchtigten "Rasierstühle", die Genickstarre garantieren und mit Ungeduld das schmerzerlösende Happy End erwarten lassen, fehlen. Verkauft wird mit jedem Platz die vergnüglich gute Sicht auf den Film. Mit dem generösen Verzicht auf die krämerische Unsitte, einen Saal bis auf den allerletzten von der Feuerpolizei gerade noch erlaubten Quadratmeter zu bestuhlen, holt sich das "Roxy" zusätzliche Sympathien.
Ebenfalls ein einladendes Argument ist die geräumige Bar. Sie befindet sich auf dem Balkon. Die Getränke können stehend, sitzend oder in den mit einem Becherhalter ausgestatteten Kinosesseln genossen werden. Abwechslungsreiche Augenfreuden und kostengünstige Gaumenfreuden bilden ein Paar. Aber geraucht wird draussen. Auch während Gangster- und Jazzfilmen sind, so stilvoll passend es wäre, keine Ausnahmen geplant. Rauchende Colts und rauchige Stimmen müssen genügen.
Miteinander durch alle Fährnisse
Film ist Teamwork. Zum Gelingen braucht es Dutzende von klugen Köpfen, helfenden Händen und brennenden Herzen. Mit diesem Glücksrezept ist auch das "Roxy" Wirklichkeit geworden. Der ehrenamtlich engagierte "Verein Feines Kino" produzierte Ideen, beschaffte Geld, modernisierte bauend und malend das alte Kino, motivierte Fachleute zu hohem Einsatz mit tiefen Rechnungen und schloss mit der Gemeinde als Eigentümerin der Liegenschaft eine Leistungsvereinbarung ab. Alles sitzt. Auch das Publikum. Auf Sesseln, die in Windeseile auf dem deutschen Occasionsmarkt gesucht, gekauft und frisch bezogen werden mussten, weil der vormalige Geschäftsführer gegen die Neuerungen mit einer Nacht-und-Nebel-Aktion filmreif protestierte und die Sitze entfernte. Der Drohung mit dem Stehkino schlug der Verein, auch handlungsstark, ein Schnippchen. Wie heisst doch der Film von Mike Nichols? "The Graduate - Die Reifeprüfung".
Das Werk lobt seine Meister
So war denn mit heller Freude, unter hörbarem Aufatmen und kräftig applaudiert zu eröffnen, was Andrea Röst, die Präsidentin des tüchtigen Trägervereins, das "schönste Kino am linken Bodensee-Ufer" nennt. Sicher. Nur: Gerade unübersehbar ist deren Anzahl nicht. Trotzdem: Das Werk als Beispiel fürs beeindruckende "Public Private Partnership" lobt seine Meister. Die Technik ist zeitgemäss, also digital. Auf die Kunst des Programmierens mit Filmen aller Genres und auf anspruchsvollem Niveau wartet in Romanshorn ein attraktiver Ort. Der Schlüssel, den Gemeindeammann David H. Bon mit Stolz übergab, möge nicht nur jener zum Kino sein, sondern auch einer zum Erfolg!

