Architektur des Glücks – Ein Casino am Luganer See

Campione d’Italia, ein italienisches Dorf, Exklave am Luganer See inmitten der Schweiz, wurde seit 1917 durch den Erfolg seines Spielcasinos geprägt. Fast ein Jahrhundert lang lebte der Ort ausschliesslich vom Casino sowohl wirtschaftlich als auch im Selbstverständnis seiner Einwohner:innen.
Ein seit 1990 geplanter monumentaler Casino-Neubau – eröffnet 2006, Architekt ist Mario Botta – sollte die aussergewöhnliche Stellung dieses Ortes zum Ausdruck bringen. Das überdimensionierte Bauwerk wurde auf dominante und brutalistische Weise prägend für das Ortsbild. Nahezu alle Einwohner*innen des Ortes waren inzwischen dort beschäftigt.
Die Aufgabe der Wechselkursbindung von Schweizerfranken und Euro führte jedoch im Jahr 2018 zum Konkurs des Casinos, wodurch sich das Leben der Dorfbewohner*innen schlagartig änderte. Campione stürzte in eine Existenzkrise, Arbeitslosigkeit griff um sich, junge Leute zogen weg. Tristesse war in den Gassen und Promenaden des Dorfes das vorherrschende Lebensgefühl, wo dem Glamour der siebziger und achtziger Jahre nachgetrauert wurde.
Der Film verzichtet auf dramatische Inszenierungen und setzt auf Beobachtung. Die Bilder des verlassenen Casinos und der Landschaft rund um den Luganer See schaffen eine Atmosphäre, die Ratlosigkeit und Verlust deutlich macht, ebenso den Grössenwahn, der dort vorgeherrscht haben muss, sodass der langsam einsetzende Abstieg von niemandem wahrgenommen werden wollte.
Die teilweise Wiedereröffnung des Casinos im Jahr 2023 wird im Film als Hoffnungsschimmer dargestellt, doch die Frage bleibt offen, ob dies tatsächlich der richtige Weg ist.
CH, DE 2025 | Doku | 79 Min. | ab 6 J. | OV/d
Regie: Michele Cirigliano, Anton von Bredow
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